Richard Schmitz: Christlich-soziale Politik vom Vorabend des Ersten Weltkriegs

Richard Schmitz (1885-1954) zählt zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der ös terreichischen Christdemokratie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Seine ersten politischen Sporen erwarb er sich noch unter Karl Lueger; nach 1918 gehörte Richard Schmitz bald zum engeren Führungskreis der Christlich-sozialen Partei, wobei er als Vertrauensmann von Ignaz Seipel galt. Neben seiner Tätigkeit als Direktor der Zentralstelle des Volksbundes der Katholiken Österreichs entfalte te er eine umfangreiche journalistische und schriftstellerische Tätigkeit.

Von 1918 bis 1923 war Schmitz Abgeordneter im Wiener Gemeinderat, von 1920 bis 1934 Mitglied des Nationalrats. Richard Schmitz gehörte in unterschiedlichen Funktionen mehreren Bundesregierungen an: Von 1922-1924 war er Sozialmi nister, von 1926-1929 Unterrichtsminister, 1930 Vizekanzler und Sozialminister, 1933-1934 wiederum Sozialminister und danach bis Juli 1934 Bundesminister ohne Portefeuille. In letzterer Funktion war Schmitz, der zu den Proponenten stände staatlicher Ideen innerhalb der Christlichsozialen zählte, maßgeblich an der Ausar beitung der Verfassung 1934 beteiligt.

Nach den Februarkämpfen 1934 wurde er zuerst Bundeskommissär und dann Bürgermeister von Wien, eine Funktion, die er bis zum 11. März 1938 bekleidete. Schmitz war ein kompromissloser Gegner des Nationalsozialismus und bis zuletzt ein überzeugter Verfechter der österreichischen Unabhängigkeit. Bereits mit dem ersten Prominententransport wurde er in das KZ Dachau depor tiert, wo er bis Kriegsende schwerste Folterungen und Demütigungen erlitt. Schmitz blieb auch unter den verschärften Bedingungen der KZ-Haft seinen Überzeugungen treu.

Anfang Mai 1945 gehörte er zu jener Gruppe prominenter KZ-Häftlinge, die von der SS als Geiseln nach Südtirol gebracht wurde, wo er schließlich von US-amerikanischen Einheiten befreit wurde. In der Zweiten Republik wurde Richard Schmitz Generaldirektor des Herold-Verlags und war u.a. in der von seinem engen Freund Friedrich Funder gegründeten Wo chenzeitschrift „Die Furche“ wiederum journalistisch und schriftstellerisch tätig.

Im Rahmen eines international besetzten wissenschaftlichen Symposiums wurden die verschiedenen biographischen Abschnitte genauso erörtert, wie auch seine Bedeutung für die Christlich-soziale Partei, seine Tätigkeit in mehreren Bundesregierungen und nicht zuletzt sein Wirken als Wiener Bürgermeister im Mittelpunkt der Referate standen.

Programm:
Univ.-Doz. Dr. Gerhard Hartmann, Kevelaer/BRD

Jugend und politische Sozialisation.


Univ.-Prof. John Boyer Ph.D., Chicago/USA

Richard Schmitz und die Gruppe der Wiener Christlich-sozialen im Rahmen der „Reichspartei“.


Univ.-Prof. Dr. Ernst Bruckmüller, Wien

Sozial- und Unterrichtsminister in den 1920er Jahren.


Univ.-Prof. Dr. Lothar Höbelt, Wien

Richard Schmitz als Protagonist der internationalen Kontakte der Christlichsozialen in der Zwischenkriegszeit.


Dr. Helmut Wohnout, Wien

Die Rolle von Richard Schmitz 1933/34.

Dr. Georg Rigele, Wien

Regierungskommissär und Wiener Bürgermeister 1934-1938.


Dr. Johannes Schönner, Wien

Richard Schmitz als politischer und religiöser Publizist.


Univ.-Doz. Dr. Wolfgang Maderthaner, Wien

Richard Schmitz und die Sozialdemokratie. Die Außensicht des politischen Gegners.


Univ.-Doz. Dr. Georg Schmitz, Wien

Konzentrationslager, Emigration und Lebensabend.


Dr. Richard Schmitz, Wien

Persönliche Erinnerungen an den Großvater.


Univ.-Prof. Dr. Dieter A. Binder Wissenschaftliche Zusammenfassung.

Mehr als 150 Zuhörer machten deutlich, dass ein großes historisches Interesse an der Persönlichkeit von Richard Schmitz besteht.
Die Referate werden im Jahrbuch „Demokratie und Geschichte 2009/2010“, das in der ersten Jahreshälfte 2011 erscheinen wird, publiziert und damit einer breiteren interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

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