LEBENSGESCHICHTLICHE ERINNERUNGEN

Ein neues Service für Mitglieder des Instituts!

Das Jahr 2020 hat mit seiner historischen Krise („Corona / COVID 19“) gezeigt, dass historische Erinnerungen einem Wandel unterworfen sind und sich grundsätzlich geändert haben. Das Karl von Vogelsang-Institut will den Entwicklungen der Gegenwart konkret Rechnung tragen und eine Datenbank von Lebenserinnerungen, ergänzend zum historischen Schriftgutarchiv, im Rahmen seiner Dienstleistungen etablieren. Darüber hinaus leisten wir damit einen Beitrag zur Sicherung österreichischer Zeitgeschichte.

Wir sehen damit unseren ursprünglichen Gründungsgedanken, Entwicklungen zur österreichischen Politik mit dem Schwerpunkt christlichsozialer Politik zu dokumentieren, auf ein zusätzliches, tragfähiges und zukunftsorientiertes Standbein gestellt. Bewusst sind alle Generationen eingeladen, sich an dieser Erinnerungsdatenbank zu beteiligen, wenngleich sich die ausgewählte Themenstellung vorrangig an Menschen in Österreich ab dem 50. Lebensjahr wendet.

Dieses Projekt wird dankenswerterweise maßgeblich von unseren Partnern unterstützt:

AKTUELLES THEMA: Meine Erinnerungen an den „Eisernen Vorhang“ 

  • Welche persönliche Erinnerung habe ich an die Zeit des geteilten Europas, des Ostblocks und des „Eisernen Vorhangs“?
  • Wurde ich durch diese Realität auch einstellungsmäßig und politisch geprägt?
  • Habe ich zu den Ereignissen der Jahre 1956 (Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes) und 1968 (Prager Frühling) persönliche Erinnerungen?
  • Welchen Stellenwert hatte der Begriff „real existierender Sozialismus“ für mich als Österreicher vor dem Hintergrund individueller Unterdrückung jenseits der östlichen Grenzen?
  • Konnte ich in meiner Wahrnehmung Österreich während der Ost-West-Konfrontation wirklich als „Insel der Seligen“ (Papst Paul VI.) wahrnehmen?
  • War für mich die österreichische Innenpolitik durch Entwicklungen, die durch diese Ost-West-Konfrontation geprägt waren, beeinflusst? (Familiäre Beziehungen in die CSSR, Vietnam/Antiamerikanismus, berufliche Kontakte in Ostblockstaaten, Kontakte zu Dissidenten etc.)
  • Hat meinem Empfinden nach seit 1989 der Begriff „Freiheit“ eine politische Bedeutung gewonnen, die man nach dem Kollaps des Warschauer Paktes und des Sowjetimperiums erhofft hatte?

Diese Fragen verstehen sich als Anregungen und als Vorschläge, die eigenen Erinnerungen zu strukturieren. Sehr gerne können auch andere Anknüpfungspunkte zum Thema beschrieben werden.

Mehr dazu erfahren?

Erinnerung ist immer subjektiv und individuell. Aus dieser Erkenntnis heraus entsteht Erinnerung aus einem direkten Vergleich mit der Gegenwart. Im Augenblick scheinen historische Ansätze zuweilen Geschichte isoliert darzustellen. Die Klammer der Erinnerungskultur geht oftmals verloren.

Nur große soziale Ereignisse oder historische Umwälzungen sind in der Lage, ein Generationsbewusstsein zu schaffen. Die Gegenwart ist dazu im hohen Ausmaß geeignet.

Die in diesem Projekt konkret anzusprechende Generation (Generation 50 plus) bezieht sich nicht auf die (relative) Gleichzeitigkeit der Geburt, sondern dass diejenigen, die eine Zeit sozialer Umbrüche erlebten (und gegenwärtig erleben!), ein eigenes „historisch-soziales Bewusstsein“ oder eine kollektive Identität entwickelten, die ihre Einstellung und ihr Verhalten bestimmt haben. Dadurch unterscheiden sie sich von zurückliegenden oder auch folgenden Generationen.

Solche „historischen“ oder „sozialen“ Generationen unterscheiden sich durch die gemeinsamen historischen Erfahrungen, die wiederum ihr gemeinsames Weltbild prägen. Unbestreitbar stehen wir gegenwärtig – neben demographischen und soziokulturellen Paradigmenwechsel – vor einer gesellschaftlichen Umbruchzeit, die oftmals nur durch individuelle Rückbesinnung erklärbar und verständlich wird.

Zahlreiche Menschen wollen über ihr Leben erzählen, finden dazu jedoch keine geeignete Plattform oder haben niemanden, der ihnen zuhört. Hinzu kommt, dass der Zugang zu Internet bereits den größten Teil der Menschen bis zur Generation 80 – und oftmals darüber hinaus – erreicht hat. Die Verwendung von Smartphones und sozialer Netzwerke offenbart sich gerade in Krisenzeiten. Erstmals ist eine flächendeckende „Erinnerungskultur“, die eine nachhaltige Speicherung und Nachhaltigkeit miteinschließt, möglich.

Kollektives Bewusstsein drückt sich nicht zuletzt durch Sprache aus, das heißt individuelle, persönliche Sprache formt das kollektive Bewusstsein, also die Erinnerung von Generationen.

Welchen formalen Rahmen gibt es?

Alle Erinnerung müssen in schriftlicher Form (Word-Datei, pdf) übermittelt werden. Die thematische Vorgabe ist einzuhalten, ebenso der Platzrahmen mit max. 30 A4 Seiten; das heißt nicht mehr als 60.000 Zeichen, inklusive Leerzeichen. Bevorzugt werden die Schriftarten Arial und Times New Roman. Bewusst sollen jedoch keine weiteren Zitiervorgaben gemacht werden.

Alle Zusendungen bitte direkt unter Kontakt auf der Homepage oder unter kvvi@kvvi.at. Es werden keine Tonband- oder sonstige audiovisuellen Aufnahmen übernommen.

An wen wenden wir uns?

Wir wenden uns ausschließlich an die Mitglieder des Karl von Vogelsang-Instituts, die sich erinnern möchten und ihre persönlichen Erinnerungen der folgenden Generation (nicht zwingend die eigenen Kinder) hinterlassen wollen.

Unser Ziel ist eine lebendige Homepage, deren Lebensgeschichtliche Datenbank gleichrangig neben dem politischen Schriftgutarchiv des Karl von Vogelsang-Instituts aufscheint.

Die politische Geschichte einer staatstragenden Partei wie jene der Österreichischen Volkspartei, die neben individuellen Erinnerungen von Bürgern steht, verliert durch diesen zweiten Forschungs- und Archivierungsansatz nichts von ihrer Bedeutung. Im Gegenteil: Es ist keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle und gewünschte, weil demokratische, Ergänzung.

Welche Themen werden ausgewählt und wer entscheidet darüber?

Das Karl von Vogelsang-Institut entscheidet eigenständig über die vorgegebenen Themen. Wir verstehen Geschichte auch als individuellen Nachlass und biographisches Erbe. Somit ist die Entwicklung dieser Datenbank bewusst als „Sammlung von politischen Lebensgeschichten“ (Austrian Heritage) angelegt. Das Vogelsang-Institut verfolgt damit keinen ausschließlich wissenschaftlichen Ansatz.

Generell gilt ein dualer Ansatz:

  • Nachhaltige Datenspeicherung und Dokumentation (historischer Ansatz)
  • Vernetzung mit seiner Familie (generationsübergreifend), mit Gleichaltrigen, „Similarities“ (sozialer Ansatz)

Geplante weitere Einzelthemen: (angedachte Beispiele ab 2021)

Durch welche Themenstellungen, „Schlagzeilen“ oder Prägungen wurde ich hinsichtlich „Umweltschutz“ sensibilisiert? Wie habe ich Konfliktthemen wie Sternwartepark, Hainburg, Zwentendorf etc. politisch wahrgenommen? Mögliche Veränderungen, Verstärkung, Ablehnung etc. meiner politischen Sichtweise durch Themen im Umfeld des „Umweltschutzes“.

Wie habe ich den technischen Fortschritt in meinem Leben realisiert? Welche Innovationen haben bei mir betreffend Mobilität, Kommunikation, persönlicher Komfort bzw. generelle Arbeits- und Lebensvereinfachung Spuren hinterlassen? Können technische Innovationen politische Wahrnehmungen verändern? Auch im Verhältnis zur (österreichischen) Demokratie? Beispiele in meinem Leben?

Haben Sie andere Themenvorschläge? Dann schreiben Sie uns diese bitte unter kvvi@kvvi.at.