Der 1941 in Wien geborene Christgewerkschafter Günther Engelmayer gehört zu jenen Persönlichkeiten, die aus eigener Initiative und mit herausragender Courage in der Zeit des Kalten Krieges Kontakte zu Dissidenten und Oppositionspolitiker in Osteuropa suchten. Als eine besondere Leistung gilt sein persönliches Nahe- und Freundschaftsverhältnis zu Lech Wałęsa und zur polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarność . Entgegen der offiziellen Haltung des ÖGB unter Präsident Anton Benya und der österreichischen Sozialdemokraten galten Engelmayers internationale Kooperationen der Unterstützung aller nicht-kommunistischer Kräfte im Osten. Als einer der ersten (Gewerkschafts-) Politiker aus Westeuropa versuchte er die kommunistischen Diktaturen durch die Stärkung der inneren Opposition herauszufordern.
Günther Engelmayer besuchte nach der Volksschule und eines Realgymnasiums in Wien das Technologisches Gewerbemuseums (TGM), an dem er 1961 die Matura ablegte. Im selben Jahr trat er in das Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen ein, bildete sich auf den Gebieten der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften im Rahmen der Verwaltungsakademie des Bundes fort und wurde 1967 in das Bundesministerium für Handel, Gewerbe und Industrie berufen. Hier arbeitete er zunächst als Amtssachverständiger und wurde 1973 zum Leiter des Referates für den Umweltschutz bestellt.
Im Bereich der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst seit den frühen 1970er Jahren engagiert, avancierte Engelmayer 1980 zum Sekretär des Österreichischen Gewerkschaftsbundes und Bundessekretär der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG), 1983 Präsidiumsmitglied des Österreichischen Gewerkschaftsbundes. 1990 legte er seine Funktionen, in denen er unter anderem auch Kontakte zu Dissidenten und Oppositionellen im damaligen “Ostblock” knüpfte und diese unterstützte, aus gesundheitlichen Gründen nieder. Zahlreiche „junge Demokratien“ in Osteuropa haben Engelmayer nach dem Fall des „Eiserenen Vorhangs“ besonders gewürdigt und seine Verdienste hervorgehoben.
Nach der Gemeinderatswahl vom 24. April 1983 gehörte Ministerialrat Ing. Günther Engelmayer als ÖVP-Mandatar des Bezirkes Floridsdorf dem Wiener Gemeinderat bzw. Landtag an. Am 9. Dezember 1987 wurde er zum Stadtrat ohne Geschäftsbereich gewählt; diese Funktion bekleidete er bis zum 27. April 1990. Neben seinen gewerkschaftlichen und politischen Arbeitsbereichen hat sich der Floridsdorfer auch als Gewerkschaftsjournalist und leitender Redakteur des Gewerkschaftsorgans “Der öffentlich Bedienstete” betätigt. Als solcher verfasste er zahlreiche Artikel und Publikationen über den öffentlichen Dienst. Einen großen Teil seines politischen Archivs und seiner Erinnerungen verwahrt das Karl von Vogelsang-Institut.
