Das Leben von Grete Rehor, geboren am 30. Juni 1910 in Wien, war geprägt von katholischer Grundeinstellung und sozialem Einsatz. Frühe berufliche Tätigkeiten im textilverarbeitenden Bereich führten sie in den Nahbereich der Gewerkschaft und der Sozialpolitik. In der Gewerkschaft der Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter lernte sie wichtige politische Weggefährten kennen, ebenso ihren späteren Mann, Karl Rehor. Im Jahre 1935 schließlich heiratete sie und drei Jahre danach, 1938, kam Tochter Marielies zur Welt.

Grete Rehor blieb trotz aller Tragik ihres Lebens – ihr Vater starb genauso wie ihr Mann im Krieg – den sozialen Aufgaben, die sie sich selbst stellte, unbeirrt treu. Obwohl nun alleinerziehende Mutter, fand sie Zeit und Kraft an politisch konspirativen Treffen früherer christlicher Gewerkschafter teilzunehmen.

Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes 1945 setzte Rehor als Sekretärin der Gewerkschaft der Textilarbeiter ihre politische Arbeit fort. Darüber hinaus wurde sie 1948 im Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) erste Vorsitzende-Stellvertreterin ihrer Fachgewerkschaft für die Fraktion christlicher Gewerkschafter. Nach der Nationalratswahl 1949 zog Grete Rehor in den Nationalrat ein, nachdem sie bereits zuvor erste weibliche Obmann-Stellvertreterin des ÖAAB geworden war.

Nach dem Erfolg der ÖVP bei Nationalratswahl 1966 entschloss sich Bundeskanzler Josef Klaus zur Ernennung Grete Rehors zur Sozialministerien, die damit als erste Frau in Österreich einem Ministerressort vorstand. Die Anliegen berufstätiger Frauen waren ihr besonders wichtig und sie vertrat deren Interessen mit Nachdruck. Grete Rehor unterschied in ihrer Politik nicht zwischen „Frauenpolitik“ und „Männerpolitik“. Obwohl sie nur eine Legislaturperiode im Amt war, setzte sie Meilensteile in der Sozialpolitik.

Als größter politischer Erfolg ihrer Amtszeit gilt mit Sicherheit der Abschluss 1968 des Arbeitsmarktförderungsgesetzes, welches sogar vom politischen Gegner als wichtige Markierung der österreichischen Sozialpolitik gewürdigt worden war. Weitere Gesetzesinitiativen während ihrer Amtszeit umfassten unter anderem die Einführung einer Bauernpension, Pensionserhöhungen für Witwen, ein in Europa vorbildhaftes Lebensmittelgesetz und ein modernes Berufsausbildungsgesetz.

Nach dem Ende der ÖVP-Alleinregierung 1970 schied auch Grete Rehor aus allen staatlichen Funktionen aus. Einzig im Bundesvorstand des ÖGB blieb sie bis 1975, ebenso im Bundesvorstand des ÖAAB bis 1974.

Anfang des Jahres 1987 verstarb Grete Rehor in Wien.

Im Jahr 2018 hat das Vogelsang Institut gemeinsam mit dem Campus Tivoli (vormals Politische Akademie der ÖVP) eine Broschüre über Grete Rehor herausgegeben.