Maria Hampel-Fuchs

Die gebürtige Steirerin aus Wenireith (Bezirk Hartberg) arbeitete nach der Schule zunächst als Diözesansekretärin der Katholischen Arbeiterjugend-Mädchen in der Steiermark. Mit 24 Jahren (1964) übersiedelte sie nach Wien und übernahm die Funktion einer Zentralsekretärin der Katholischen Jugend. Von 1969 bis 1970 absolvierte Maria Hampel-Fuchs die Sozialakademie der Wiener Arbeiterkammer, um danach 12 Jahre (1970 bis 1982) als Bundessekretärin der Frauen im ÖAAB zu fungieren. Von 1976 bis 1984 war Hampel-Fuchs auch als Arbeiterkammerrätin tätig. Insgesamt 17 Jahre (1983–2000) bekleidete sie die Funktion der Obfrau des Sozialen Hilfswerks (heute Wiener Hilfswerk) in Wien.

Maria Hampel-Fuchs startete ihre politische Karriere 1973 als Bezirksrätin in der Josefstadt, deren gleichzeitige Bezirksreferentin sie auch für die Österreichische Frauenbewegung gewesen war. Damals hatte die Steirerin Edda Egger die Bundesleitung der Österreichischen Frauenbewegung inne; ihr war es gelungen, die Frauenbewegung 1972 zu einer Teilorganisation der ÖVP zu machen. Auch unter der Nachfolgerin von Egger, Herta Haider, engagierte sich Maria Hampel-Fuchs in der Frauenbewegung. 1978 erfolgte ihre Wahl in den Wiener Landtag und Gemeinderat, sie war ab 1983 Mitglied des Wiener Stadtsenats und der Wiener Landesregierung, allerdings ohne Ressort.

Am 29. November 1996 erfolgte ihre Wahl zur Ersten Landtagspräsidentin. Obwohl die ÖVP bei den Wahlen nur den dritten Platz belegte, wurde Maria Hampel-Fuchs – aufgrund eines Koalitionsabkommens zwischen SPÖ und ÖVP – mit 87 von 99 Stimmen in dieses Amt gewählt. Sie war somit die erste und bislang einzige Frau der ÖVP, die als Erste Landtagspräsidentin die Geschicke des Wiener Landesparlaments leitete. In dieser Funktion verblieb sie bis zum 27. April 2001.

Als Politikerin engagierte sie sich für Sozial- und Gesundheitsfragen, Kinder- und Jugendprobleme und für die Bekämpfung der Armut in Wien. Ihr war es wichtig, dass der Patientenanwalt, der Kinder- und Jugendanwalt sowie der Umweltanwalt im Wiener Landtag das Rederecht erhielten. Außerdem wirkte sie als Vizepräsidentin für Psychosoziale Dienste in Wien und des Kuratoriums Wiener Pensionistenwohnhäuser. Der gemeinnützige Fonds ist Österreichs größter Anbieter im Bereich von Senioren- und Seniorinnen-Betreuung.

Nach dem Ausscheiden aus der Politik widmete sie sich dem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Wien. Dieses schloss Maria Hampel-Fuchs 2008 mit einer Diplomarbeit über „Wien ist anders. Das dritte Modell des Föderalismus in Österreich“ erfolgreich ab. Diese Arbeit ist ein Plädoyer für Wien als Land und Gemeinde, Wien ist eben ein 3. Modell des Föderalismus.

Zwei Jahre zuvor, am 30. Juni 2006, ehrte die Stadt Wien Maria Hampel-Fuchs mit der zweithöchsten Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat – Bürgermeister Michael Häupl verlieh ihr den Titel „Bürgerin der Stadt Wien“. Als Maria Hampel-Fuchs 2005 ihren 65. Geburtstag feierte, beglückwünschte sie auch der damalige Bundespräsident Heinz Fischer. Er dankte für ihr jahrzehntelanges und engagiertes, verdienstvolles Wirken in vielen öffentlichen Funktionen nicht nur im Dienste Wiens, sondern auch Österreichs und meinte, dass viele ihrer kommunalpolitischen Initiativen auch heute weiterwirken.

Maria Hampel-Fuchs kann auf ein bewegtes politisches Leben zurückblicken, obwohl sie still ihr politisches Amt ausübte. Sie war unter den Bürgermeistern Leopold Gratz, Helmut Zilk und Michael Häupl politisch aktiv und Wegbegleiterin von Lola Solar, der Grand Dame der ÖVP Frauenbewegung. Eine wichtige und wohl auch prägende Persönlichkeit für Maria Hampel-Fuchs war wohl Grete Rehor. Für die erste Ministerin Österreichs verfasste Maria Hampel-Fuchs eine Festschrift.

Maria Hampel-Fuchs´s Leitsatz „Politik braucht wieder Menschen mit Gewissen“ hat auch heute nicht an Aktualität verloren, er ist sogar aktueller denn je. Maria Hampel-Fuchs folgte diesem Leitsatz mit all ihrer Kraft, mit all ihrem Verstand und mit all ihrer Herzenswärme, dabei blieb sie stets bescheiden im Hintergrund.

(Anita Ziegerhofer)