{"id":4143,"date":"2024-06-10T11:09:26","date_gmt":"2024-06-10T09:09:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=4143"},"modified":"2024-06-10T11:09:27","modified_gmt":"2024-06-10T09:09:27","slug":"lola-solar","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=4143","title":{"rendered":"Lola Solar"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>In Memoriam des 120. Geburtstages von Lola Solar (1904-1989)<br>\u201cA women and a movement\u201d<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Archiv des Karl von Vogelsang-Instituts<\/p>\n\n\n\n<p>Eine historische Hommage von Univ.- Prof. Dr. Anita Ziegerhofer.<br>Universit\u00e4t Graz, Leiterin des Instituts f\u00fcr Rechtswissenschaftliche Grundlagen, Leiterin des Fachbereichs Rechtsgeschichte und Europ\u00e4ische Rechtsentwicklung, Vizepr\u00e4sidentin des Karl von Vogelsang-Instituts<\/p>\n\n\n\n<p>Der Name Lola Solar ist nicht nur mit der Frauenbewegung in Nieder\u00f6sterreich, bzw. in \u00d6sterreich, sondern auch mit jener auf europ\u00e4ischer Ebene untrennbar verbunden. Sie gilt als Frau der ersten Stunde der nieder\u00f6sterreichischen Frauenbewegung, wirkte \u00fcber Jahre als Bundesleiterin der Frauenbewegung und war die Pionierin der Europ\u00e4ischen Frauenunion. Vor 70 Jahren legte sie den Grundstein in Richtung \u201eEurop\u00e4ische Frauenbewegung.\u201c<br>Im Mai 2024 gedenken wir ihres 120. Geburtstages, ihr Geburtsmonat sollte auch Solars Sterbemonat werden, sodass wir heuer auch ihres 35. Todestages gedenken. Aus diesen Anl\u00e4ssen soll die Politikerin und der Mensch Lola Solar in Erinnerung gerufen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>In Brunn\/Gebirge als Tochter eines Verwaltungsjuristen 1904 geboren, \u00fcbersiedelten die Eltern 1912 nach M\u00f6dling, nicht zuletzt um ihren beiden T\u00f6chtern eine bessere Schulausbildung bieten zu k\u00f6nnen. Solar entschied sich nach Abschluss ihrer Ausbildung f\u00fcr die Lehrerlaufbahn und erhielt nach einigen Zwischenstationen 1933 in G\u00f6pfritz\/Wild eine dauerhafte Stelle. Ihr Engagement in der Katholischen Aktion und in der \u201eVaterl\u00e4ndischen Front\u201c wurde Lola Solar bald nach dem \u201eAnschluss\u201c \u00d6sterreichs an das Deutsche Reich zum Verh\u00e4ngnis: Am 11. April 1938 erfolgte seitens der Kreisleitung der NSDAP die Entlassung aus dem Schuldienst, allerdings wurde diese aufgrund des Lehrermangels rasch r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht und Lola Solar bekam in Hainburg an der Donau eine Stelle. Nach dem Krieg \u00fcbernahm sie 1945 die Leitung der Hauptschule in M\u00f6dling und startete auch von hier aus ihre politische Karriere: An ihrem 41. Geburtstag (13. Mai 1945) bat man Lola Solar seitens der \u00d6VP, in M\u00f6dling eine Frauenbewegung zu organisieren. Dieser Bitte folgte Solar, sodass man ihren Geburtstag auch gleichzeitig als Geburtsstunde der nieder\u00f6sterreichischen Frauenbewegung bezeichnen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Zur ersten \u201epolitischen\u201c Aufgabe geh\u00f6rte die Mobilisierung der Frauen f\u00fcr die Wahl am 25. November 1945. Dar\u00fcber hinaus engagierten sich die Frauen auch parteien\u00fcbergreifend: Sie verteilten gemeinsam mit den Sozialdemokratinnen und Kommunistinnen Hilfsg\u00fcter, die von den Alliierten zugeteilt wurden und betreuten die Heimkehrer. Nicht nur das Organisieren, sondern das \u00fcberparteiliche Netzwerken zugunsten der Frauen bildeten wesentliche Charakteristika des Politikstils von Solar. Im Zuge der Werbung f\u00fcr die Wahlen 1945 wurde der nieder\u00f6sterreichische Landesparteiobmann Julius Raab auf Lola Solar aufmerksam. Der sp\u00e4tere Bundeskanzler erkannte sehr rasch Solars politisches Talent und wurde bald ihr Mentor. So \u00fcbertrug er ihr die Landesleitung der nieder\u00f6sterreichischen \u00d6VP-Frauen, eine Funktion, die Solar ab Herbst 1945 vier Jahre aus\u00fcben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Wunsch von Julius Raab stellte sich Solar 1949 als Kandidatin f\u00fcr den Nationalrat zur Verf\u00fcgung und zog nach der Wahl ins Hohe Haus ein. Dieses sollte sie erst 1970 verlassen. 1950 kam es in der Leitung der \u00d6VP-Frauenbewegung auf Bundesebene zu einer Wachabl\u00f6sung. Am zweiten \u00d6FB &#8211; Bundestag (14.-15. Oktober 1950) legte die Gr\u00fcnderin und erste Bundesleiterin der \u00d6VP-Frauenbewegung, Nadine Paunovic (1903-1981), ihre Funktion nieder. Ihr folgte Lola Solar und begr\u00fcndete mit diesem Schritt eine neue \u00c4ra. Dass sie die Wunschkandidatin von Julius Raab war, soll hier nur der Vollst\u00e4ndigkeit halber Erw\u00e4hnung finden. Solar stieg 1952 zu einer seiner Stellvertreterinnen als Bundesparteiobmann auf.<\/p>\n\n\n\n<p>In ihrer Funktion als Parlamentarierin trat sie f\u00fcr die Gleichstellung der Frauen in der Gesellschaft und Familie ein. Sie gilt als \u201eWegbereiterin der Familienrechtsreform\u201c und fand als solche nicht nur innerhalb der Partei, sondern auch bei der Sozialdemokratin Herta Firnberg gro\u00dfe Anerkennung. Die erste weibliche Wissenschaftsministerin \u00d6sterreichs bezeichnete 1978 in ihrer Parlamentsrede die Budgetrede, die Solar 1959 im Zuge der Familienrechtsreform hielt, als eine Wende: Damit wurde die M\u00f6glichkeit einer konsensorientierten Reform in kleinen Schritten er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben trat Solar f\u00fcr Schule und Bildung, vor allem aber f\u00fcr die Schulung der Frauen im Bereich der politischen Bildung, der kulturellen Aufkl\u00e4rung und im Rechts- und Sozialbereich ein. Herta Haider (Bundesleiterin 1976-1984) hebt zwei wesentliche Bereiche des Wirkens von Solar hervor: Einerseits eine straffe Organisation der \u201e\u00d6sterreichischen Frauenbewegung\u201c (\u00d6FB) in allen Bundesl\u00e4ndern: Die Bundesleiterin trat deshalb in den ersten f\u00fcnf Jahren des Bestandes der \u00d6FB bei 500 Versammlungen im gesamten Bundesgebiet auf. Andererseits ihre internationalen, \u201eau\u00dfenpolitischen\u201c Aktivit\u00e4ten. So erfolgte auf Solars Initiative, gemeinsam mit Frieda Mikola, die Einladung von Vertreterinnen christdemokratischer und konservativer Parteien nach Salzburg, wo im September 1953 die erste \u201eInternationale Tagung christlich-demokratischer Frauen in \u00d6sterreich\u201c stattfand. Mit Frauen aus Deutschland, Finnland, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Italien und den Niederlanden berieten die \u00d6sterreicherinnen unter der Leitung von Lola Solar eine engere Zusammenarbeit im Bereich der politischen Arbeit. Intention war, die Frauen auf europ\u00e4ischer Ebene zu vernetzen. Bereits vom 26. April bis 27. April 1954 fand in Basel eine weitere Sitzung statt. Hier wurde nicht nur der Name \u201eEurop\u00e4ische Frauen-Union (EFU)\u201c festgelegt, sondern auch die Struktur der neuen Frauenorganisation verabschiedet und Wien zum Hauptsitz bestimmt. Auf der Gr\u00fcndungsversammlung im Jahr 1955 in Den Haag erfolgte schlie\u00dflich die Wahl von Lola Solar zur ersten Pr\u00e4sidentin der EFU. Ihre Mitglieder waren f\u00fchrende Politikerinnen aus christlich-demokratischen und konservativen Parteien, die sich mit den geistigen und sittlichen Werten verbunden f\u00fchlten, die das Fundament der christlichen Prinzipien bildeten. Auf der Generalversammlung der EFU im Juli 1961 in London ernannte man Lola Solar in W\u00fcrdigung ihrer herausragenden Verdienste um die EFU zur Ehrenpr\u00e4sidentin auf Lebenszeit. Die EFU besteht noch heute und f\u00fchrt den Namen European Union of Women (EUW).<\/p>\n\n\n\n<p>Solar setzte sich mit all ihrer Energie f\u00fcr die Gleichberechtigung von Frauen ein, sie gilt als Wegbereiterin der Familienrechtsreform, die sp\u00e4ter unter Justizminister Christian Broda erfolgen sollte. Sie forderte ein modernes Frauenbild, unterst\u00fctzte Arme und Alte und war so auch oft Pionierin wie etwa als Vorsitzende des \u00d6sterreichischen Wohlfahrtsdienstes (heute \u00d6sterreichisches Hilfswerk), als Mitbegr\u00fcnderin des \u00d6sterreichischen Frauenrings (gemeinsam u.a. mit Herta Firnberg) oder als Initiatorin von \u201eEssen auf R\u00e4der\u201c. Lola Solar war nicht nur eine gro\u00dfartige Rednerin und \u201eMacherin\u201c, sondern auch eine begnadete Netzwerkerin \u2013 nicht nur \u00fcber die Parteigrenzen, sondern auch \u00fcber \u00d6sterreichs Grenzen hinweg. Vor 35 Jahren, genau sieben Tage nach ihrem 85. Geburtstag, am 20. Mai 1989, ist Lola Solar in M\u00f6dling gestorben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Memoriam des 120. 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