{"id":4105,"date":"2024-04-25T11:41:26","date_gmt":"2024-04-25T09:41:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=4105"},"modified":"2024-04-25T11:41:27","modified_gmt":"2024-04-25T09:41:27","slug":"franz-karasek","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=4105","title":{"rendered":"Franz Karasek"},"content":{"rendered":"\n<p>Seine politische Laufbahn begann der am 22. April 1924 in Wien geborene Karasek nach der Kriegsmatura 1942 und Studien der Rechtswissenschaft als Sekret\u00e4r bei den Bundeskanzlern Leopold Figl und Julius Raab in den Jahren 1952 bis 1956. Nach weiteren Studien zu Internationalen Recht in Wien und Paris, sowie einer diplomatischen Ausbildung, war er als Botschaftsrat in Moskau und Paris t\u00e4tig. Im Jahre 1964 holte ihn Bundeskanzler Josef Klaus ins Kanzleramt. Als Karasek im Jahre 1966 die Aufgabe \u00fcbertragen wurde, im Bereich des Unterrichtsministeriums die Sektion f\u00fcr Auslandskultur aufzubauen, wurde deutlich, dass in diesem Bereich fachliche Spezialkompetenz mit ausgepr\u00e4gtem pers\u00f6nlichem Interesse und Neigung zusammentrafen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab 1970 fungierte er als au\u00dfenpolitischer Sprecher der \u00d6VP im Parlament und geh\u00f6rte zu den profiliertesten Parlamentariern der Volkspartei. Bereits in dieser Zeit war er f\u00fcr den Europarat aktiv, zun\u00e4chst als Ersatzmitglied, ab 1972 als Vollmitglied der Parlamentarischen Beratenden Versammlung des Europarates, dessen Vizepr\u00e4sident er 1973\/74 wurde. Zwei Jahre fungierte Karasek als Generalberichterstatter der politischen Kommission, w\u00e4hrend der Zypernkrise spielte er als Berichterstatter eine entscheidende Rolle f\u00fcr die Au\u00dfenpolitik des Europarates.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Mai 1979 wurde Karasek schlie\u00dflich zum Generalsekret\u00e4r des Europarates gew\u00e4hlt und setzte in dieser Funktion bis 1984 erste Schritte zur \u00d6ffnung des Europarates im Hinblick auf die Staaten Osteuropas. Sein erkl\u00e4rtes Ziel blieb in dieser Phase nicht nur die politische Zusammenarbeit in Europa, sondern die bewusste Erziehung der Jugend zu Europa.<\/p>\n\n\n\n<p>In seine Zeit bei Julius Raab f\u00e4llt Karaseks Engagement f\u00fcr die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verb\u00e4nde (AKV), die er mit R\u00fcckendeckung des Bundeskanzlers ins Leben gerufen hatte. Erstmals gelang es dank der unerm\u00fcdlichen T\u00e4tigkeit Karaseks alle katholischen Organisationen au\u00dferhalb der Katholischen Aktion (KA) unter einem Dach zusammenzufassen. Sein langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte Ludwig Steiner und selbst diplomatischer Spitzenrepr\u00e4sentant \u00d6sterreichs beurteilte diese Aktivit\u00e4t derart, dass es \u201edadurch gelang, einen wichtigen Beitrag zur Erneuerung des politischen und religi\u00f6sen Lebens zu leisten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits in der Periode als Kabinettschef bei Josef Klaus entwickelte Karasek ab 1964 ein reges europapolitisches Engagement. Die Formulierung vom \u201egemeinsamen Haus Europa\u201c, welche Josef Klaus in seiner legend\u00e4ren Rede vor dem Europarat im J\u00e4nner 1965 w\u00e4hlte, ging auf Franz Karasek zur\u00fcck.[1] Dass diese Formulierung griffiger war als ideologische Termini bewies nicht zuletzt die oftmalige Verwendung dieses Wortes durch Gorbatschow w\u00e4hrend der ereignisreichen Jahre 1988\/89. Bezeichnenderweise bezog sich Karaseks Vorgesetzter, Bundeskanzler Josef Klaus, noch Ende der neunziger Jahre auf diese Episode. In einem pers\u00f6nlichen Brief an einen fr\u00fcheren Mitarbeiter, dass \u201eer (Klaus) dieses Wort (d.h. das europ\u00e4ische Haus) der gro\u00dfen Phantasie und Formulierungskunst meines damaligen Kabinettchefs und Ghostwritters Franz Karasek \u2013 wie so vieles andere \u2013 verdanke(\u2026)\u201c.[2]<\/p>\n\n\n\n<p>Karasek hatte unbestritten die Vision eines gemeinsamen europ\u00e4ischen Zusammenlebens, wohl eine Integration, die nicht an der Ostgrenze \u00d6sterreichs enden d\u00fcrfe. Bezeichnend daf\u00fcr waren eine Vielzahl bilateraler Kulturabkommen, auch mit L\u00e4ndern des Ostblocks wie mit Rum\u00e4nien, Bulgarien oder der Sowjetunion, die durch die \u201eAuslandskultursektion\u201c erarbeitet wurden. Karasek initiierte zahlreiche Veranstaltungen, darunter eine Kulturenquete 1968 oder die erste Unterrichtsministerenquete der UNESCO.<\/p>\n\n\n\n<p>Karaseks langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte in der Diplomatie und auch der \u00d6sterreichischen Volkspartei, Ludwig Steiner, beschrieb ihn bei der oben genannten Veranstaltung im Herbst 1999 als \u201ebegeisterten \u00f6sterreichischen Patrioten und leidenschaftlichen Europ\u00e4er, der in seiner Zeit als Au\u00dfenpolitischer Sprecher der \u00d6VP gro\u00dfen Einfluss auf die Au\u00dfenpolitik der Regierung Kreisky hatte\u201c.<br>Der Nachlass von Dr. Franz Karasek befindet sich seit Anfang der 2000er Jahre im Archiv des Karl von Vogelsang-Instituts, und bildet hier gemeinsam mit anderen Materialien aus dem Bereich \u201eAu\u00dfenpolitik und Europ\u00e4ische Integration\u201c einen zentralen Bestand zur \u00f6sterreichischen Kulturgeschichte der Zweiten Republik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine politische Laufbahn begann der am 22. 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