{"id":4683,"date":"2026-03-04T13:52:37","date_gmt":"2026-03-04T12:52:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=4683"},"modified":"2026-03-04T13:55:37","modified_gmt":"2026-03-04T12:55:37","slug":"felizias-fischer-die-erste-wiener-taxichauffeuse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=4683","title":{"rendered":"Felizia Fischer. Die erste Wiener \u201eTaxichauffeuse\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ein sozialhistorischer Beitrag zum Weltfrauentag 2026.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Am 1. September 1925 machte die Wienerin Felizia Fischer den F\u00fchrerschein. Dies war der erste Schritt, um sich ihren Berufstraum zu erf\u00fcllen: Sie wollte Taxilenkerin werden. Frohen Mutes und voller Selbstbewusstsein suchte sie bei der Polizeidirektion Wien um Zulassung zur berufsm\u00e4\u00dfigen Platzwagenlenkerin an. Allerdings wurde ihr diese verweigert \u2013 mit Hinweis auf Art. 7 der Betriebsordnung f\u00fcr Platzwagenlenker aus dem Jahr 1913: Dieser Artikel bestimmt, dass nur M\u00e4nner ab dem 18. Lebensjahr einen Platzwagen lenken d\u00fcrfen. Dagegen erhob Felizia Einspruch bei der Wiener Landesregierung. Diese lehnte ebenfalls ihr Ansuchen ab. Die junge Dame gab nicht auf und brachte gegen den Bescheid beim Handels- und Verkehrsministerium Berufung ein. Auch hier erhielt sie eine abschl\u00e4gige Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Felizia Fischer wollte sich aber unbedingt ihren Berufstraum als Taxichauffeuse erf\u00fcllen und schaltete nun einen Rechtsanwalt ein. Dieser, Dr. Fritz Flandrak, erhob nun \u201e<em>Beschwerde wegen Verletzung verfassungsgem\u00e4ss gew\u00e4hrleisteter Rechte gem\u00e4\u00df Art. 144 des B-VG<\/em>\u201c vor dem Verfassungsgerichtshof.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verfassungsrichter sollten nun pr\u00fcfen, ob Art. 7 der Betriebsordnung f\u00fcr Platzwagenlenker im Widerspruch mit Art. 7 B-VG steht. Art. 7 B-VG beinhaltet den Gleichheitsgrundsatz, wonach alle Bundesb\u00fcrger vor dem Gesetz gleich sind und Vorrechte der Geburt, des Geschlechts, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses aufgehoben sind. Die Verfassungsrichter traten Mitte Oktober 1926 zusammen. Im Vorfeld der Entscheidung \u00fcberschlugen sich die Tageszeitungen geradezu: Man berichtete \u00fcber Felizias Begehren, \u00fcber ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen als Frau in einem m\u00e4nnerdominierten Beruf Fu\u00df fassen zu wollen \u2013 und man pr\u00e4judizierte bereits die Entscheidung des H\u00f6chstgerichts: Dieses m\u00fcsse dem Antrag von Felizia Fischer stattgeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in der Tat, die Herren Verfassungsrichter gaben der Beschwerde statt und erlie\u00dfen am 12. Oktober 1926 das sogenannte \u201ePlatzwagen-Erkenntnis\u201c. Obwohl Felizia gewonnen hatte, wollte sie kein Taxiunternehmen anstellen. Aber es w\u00e4re nicht \u201eunsere\u201c selbstbewusste, k\u00e4mpferische Felizia, w\u00fcrde sie nun aufgeben. Sie kaufte sich ein gebrauchtes Auto und konnte am 21. Mai 1927 ihre erste Fahrt als Taxilenkerin aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die erste Taxifahrt der ersten Taxilenkerin Wiens berichtet die Wiener Allgemeine Zeitung vom 22. Mai 1927:<\/p>\n\n\n\n<p><em>\u201e(\u2026) Der elegante offene Gr\u00e4f und Stiftwagen, der die Nummer 584 tr\u00e4gt, erweckte auf dem Standplatz gro\u00dfes Aufsehen; mehr noch die Chauffeuse. In ihrem lichten, mit einem Veilchenstr\u00e4u\u00dfchen geschm\u00fcckten Kost\u00fcm und den wei\u00dfen Schuhen und Handschuhen, sitzt sie fr\u00f6hlich l\u00e4chelnd am Volant, ein klein wenig erregt noch, die Wangen leicht ger\u00f6tet. Allen Taxichauffeuren gleich muss auch sie die vorschriftsm\u00e4\u00dfige Kappe tragen. Die Kappe, wei\u00df, mit Goldschnur und schwarzem Schirm, kleidet sie besonders gut. Die H\u00e4nde in den Hosentaschen, stehen die Chauffeure rund um den Wagen der neuen Kollegin und beobachten misstrauisch deren Tun. Manchmal tuscheln sie miteinander und dann lachen sie hellauf. Auch das wird sich bald geben und die Chauffeuse wird sich bei uns ebenso dem gewohnten Stra\u00dfenbild einf\u00fcgen wie in Paris oder in Berlin \u2013 wenn sie sich nur bew\u00e4hrt. Es haben bereits sechs neue Taxi-Chauffeusen um die Bewilligung eingereicht und eine von ihnen d\u00fcrfte schon in den n\u00e4chsten Tagen zu fahren beginnen. \u201eSeit zwei Tagen fahre ich den Wagen ein\u201c, erz\u00e4hlt Felicitas. Aber ich durfte gestern und vorgestern noch keine Passagiere aufnehmen, weil der Wagen noch nicht kommissioniert war. Angehalten h\u00e4tten mich mehrere Leute. Auf dem Ring riefen mich zwei junge Damen an und wollten mit mir fahren; das waren die ersten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Neugierige umstellen das Auto und Photographen machen von der \u201eneugebackenen Chauffeuse\u201c zahlreiche Aufnahmen. (\u2026) zwei Reporter nehmen an der \u201eJungfernfahrt\u201c teil, tadellos kurbelt Felicitas an und in elegantem Bogen biegt sie nach der Ringstra\u00dfe aus, dem Schottentor zu. Der J\u00fcngere der beiden Herren hat neben der Chauffeuse auf dem F\u00fchrersitz Platz genommen und spricht eifrig mit ihr. Beim Einsteigen ist ihm gleich ein St\u00fcck vom Griff des Wagent\u00fcrls in der Hand geblieben, aber das l\u00e4\u00dft sich ja schnell reparieren. Und ich denke, der junge Reporter wird \u00f6fters mit der Frau Chauffeuse fahren, schon um sich davon zu \u00fcberzeugen, ob nun die Wagent\u00fcr in Ordnung ist\u2026.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Im Schottentor h\u00e4lt uns der erste Wachmann an. Er war mit der Brust gegen die Fahrbahn gestanden \u2013 und Felicitas ist nicht stehen geblieben\u2026 Der Wachmann verwarnt sie und wird dabei auf den Taxameterkasten aufmerksam. Er stutzt und meint, da sei irgendetwas nicht in Ordnung. Felicitas weist aber ihre Papiere vor. Da salutiert der Wachmann und l\u00e4sst uns passieren. Bericht von Elisabeth Thury\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Felizias Geschichte blieb lange verborgen, bis ich diese 2022 aus der Unsichtbarkeit holte und einen Artikel \u00fcber sie verfasste. Zurzeit wird in Wien ein Schauspiel auf der Basis meiner rechtshistorischen Recherchen aufgef\u00fchrt: <em>TaxiTales<\/em> vom Theaterkollektiv magggi \u2013 jeden Samstag in M\u00e4rz (ab 19:30 Uhr Babenbergerstra\u00dfe) findet eine Taxifahrt mit ausschlie\u00dflich Taxifahrerinnen statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Pionierin Felizia Fischer schrieb 1926 Geschichte, sie fand Einzug in die \u201eRechtsgeschichte\u201c und ihre bemerkenswerte Geschichte wird in Form eines Schauspiels sichtbar. Felizia Fischer kann als Beispiel einer selbstbewussten Frau in einer m\u00e4nnerdominierten Welt genannt werden \u2013 und was ist die Botschaft f\u00fcr den Weltfrauentag 2026 dahinter: <em>Females, never give up and fullfill your dreams!<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"724\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kvvi_weltfrauentag2026-724x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4682\" srcset=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kvvi_weltfrauentag2026-724x1024.jpg 724w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kvvi_weltfrauentag2026-212x300.jpg 212w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kvvi_weltfrauentag2026-768x1086.jpg 768w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kvvi_weltfrauentag2026-1086x1536.jpg 1086w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kvvi_weltfrauentag2026-1448x2048.jpg 1448w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kvvi_weltfrauentag2026-scaled.jpg 1810w\" sizes=\"(max-width: 724px) 100vw, 724px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein sozialhistorischer Beitrag zum Weltfrauentag 2026. 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