{"id":4475,"date":"2025-07-11T08:00:00","date_gmt":"2025-07-11T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=4475"},"modified":"2025-10-21T08:53:59","modified_gmt":"2025-10-21T06:53:59","slug":"zum-100-todestages-des-salzburger-landeshauptmannes-dr-alois-winkler-1838-waidring-nordtirol-1925-stadt-salzburg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=4475","title":{"rendered":"Zum 100. Todestages des Salzburger Landeshauptmannes\u00a0Dr. Alois Winkler (1838 Waidring\/Nordtirol &#8211; 1925 Stadt Salzburg)"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine historische Einordnung von LH a.D. Univ.-Prof. Dr. Franz Schausberger<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alois Winkler \u2013 Friedlicher \u00dcbergang von der Monarchie zur Republik.<br>Zum 100. Todestag eines bedeutenden Salzburger Landeshauptmanns.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es in der Zeit des Endes des 1. Weltkrieges im Winter 1918\/19 in Stadt und Land Salzburg ziemlich friedlich blieb und im Gegensatz zu anderen St\u00e4dten der sich aufl\u00f6senden Monarchie blutige Ausschreitungen mit Toten verhindert werden konnten, so war dies vor allem dem besonnenen und umsichtigen Verhalten von Landeshauptmann Pr\u00e4lat Alois Winkler zu verdanken, dessen Todestag sich am 11. Juli zum hundertsten Male j\u00e4hrt.<br><br>Da der Christlichsoziale Alois Winkler bei allen politischen Lagern hohes Ansehen hatte, konnte der \u00dcbergang von der Monarchie zur Republik ohne gr\u00f6\u00dfere gewaltt\u00e4tige Unruhen ablaufen. Die Versorgung der Bev\u00f6lkerung konnte einigerma\u00dfen gesichert werden, sodass gr\u00f6\u00dfere Hungerunruhen in Salzburg ausblieben.<br><br><strong><em>Jugend und kirchliche Laufbahn<\/em><\/strong><br><br>Alois Winkler wurde als vierzehntes Kind des Bauern Michael Winkler und seiner Frau Maria am Adlergut in Waidring in Tirol geboren. Sein Vater geh\u00f6rte 1809 zu den Landesverteidigern unter Andreas Hofer.<br><br>Auf Grund seiner Begabung durfte Alois das Akademische Gymnasium in Salzburg besuchen und trat nach der Matura in das f\u00fcrsterzbisch\u00f6fliche Priesterseminar ein. 1863 wurde er von F\u00fcrsterzbischof Graf Tarnoczy im Salzburger Dom zum Priester geweiht.<br><br>Einige Jahre fungierte er als Kooperator in den Tiroler Pfarren Erl, S\u00f6ll und Brixlegg, wo er Mitbegr\u00fcnder der dortigen Passionsspiele war. Er wurde schon damals als \u00fcber die Ma\u00dfen gesellig, \u00e4u\u00dferst willensstark, eigensinnig und hartn\u00e4ckig beschrieben. Nach seiner Berufung in das Salzburger Domkapitel 1894 wurde er 1908 Domkustos, 1911 Domscholastikus und 1921 Domdechant. 1903 erhielt er den Titel eines p\u00e4pstlichen Hauspr\u00e4laten und zwanzig Jahre sp\u00e4ter feierte er sein Diamantenes Priester-Jubil\u00e4um. Soweit zur kirchlichen Laufbahn und nun zur politischen.<br><br><strong><em>Beginn der politischen Laufbahn<\/em><\/strong><br><br>1867 wurde er nach Mittersill versetzt, gr\u00fcndete dort den ersten katholisch-politischen Verein des Pinzgaus und engagierte sich gegen den herrschenden Liberalismus. In Mittersill erkrankte er 1870 schwer an Typhus und war zwei Jahre nicht arbeitsf\u00e4hig. Seine Erkrankung f\u00fchrte einerseits dazu, dass er sich noch st\u00e4rker zur Politik hinwandte und andererseits zum Abstinenzler und Vegetarier wurde. Nach den folgenden 20 Jahren in Radstadt war er von 1890 bis 1894 als Pfarrer und Dechant von Altenmarkt im Pongau t\u00e4tig. In Radstadt wurde er endg\u00fcltig zum Politiker. Er wurde in den Gemeindeausschuss von Radstadt gew\u00e4hlt und vertrat ab 1878 Radstadt im Rahmen des konservativen Wahlkomitees im Salzburger Landtag. \u00dcber 40 Jahre, bis 1919 geh\u00f6rte er ununterbrochen dem Salzburger Landtag an.<br><br>Zudem \u00fcbernahm Winkler 1887 die Herausgeberschaft der katholischen Tageszeitung \u201eSalzburger Chronik\u201c, welche er bis zu seiner Wahl zum Landeshauptmann 1897 wahrnahm.<br><br><strong><em>41 Jahre Mitglied des Landesausschusses<\/em><\/strong><br><br>1878 folgte seine Berufung als Ersatzmitglied in den Landesausschuss (Landesregierung), ab 1884 war er Mitglied des Landesausschusses.<br><br>Bei der Landtagswahl 1896 erreichte die Konservative Partei die absolute Mehrheit und Alois Winkler wurde vom Kaiser zum Landeshauptmann ernannt. Es war wohl ein wesentliches Verdienst von Alois Winkler, dass generell die politische Atmosph\u00e4re in Salzburg \u2013 im Gegensatz zu anderen Kronl\u00e4ndern \u2013 nicht geh\u00e4ssig war, es keine Obstruktionspolitik gab und gute, zum Teil freundschaftliche Kontakte zu den politischen Kontrahenten bestanden. Das war die Grundlage daf\u00fcr, dass sp\u00e4ter, in den turbulenten Nachkriegsmonaten, kein politischer Extremismus und klassenk\u00e4mpferische Umtriebe aufkamen. Von 1897 bis 1901 war Winkler auch Reichsratsabgeordneter.<br><br>Bei der Landtagswahl 1902 verloren die Konservativen ihre Mehrheit an die Deutschkonservativen, der Altliberale Albert von Schumacher wurde Landeshauptmann, Alois Winkler sein Stellvertreter. In den folgenden Jahren kam es ohne Probleme zum Zusammenschluss der konservativen Honoratiorenpartei mit der moderneren Christlichsozialen Partei Karl Luegers. Dies und die zunehmende Demokratisierung des Wahlrechts f\u00fchrte zu einem wichtigen Sieg der nunmehr Christlichsozialen Partei bei der Landtagswahl 1909 und brachte Alois Winkler wieder in das Amt des Landeshauptmannes.<br><br>Insgesamt gehen die Errichtung der \u201eLandestaubstummenanstalt\u201c, der \u201eLandesheilanstalt f\u00fcr Geistes- und Gem\u00fctskranke\u201c in Lehen, der Lungenheilanstalt Grafenhof, der z\u00fcgige Aus- und Umbau der Landeskrankenanstalten, die Errichtung der Landesackerbauschule in Oberalm sowie die \u201eKaiser-Franz-Josef Landwirtschaftsschule Winklhof\u201c auf Landeshauptmann Winkler zur\u00fcck.<br><br><strong><em>Winkler und der Erste Weltkrieg<\/em><\/strong><br><br>Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Zusammenbruch der Monarchie half er die Not der Bev\u00f6lkerung zu mildern und hinterlie\u00df bei seinen Zeitgenossen einen bleibenden Eindruck, als er im Oktober\/November 1918 im Alter von 80 Jahren Ordnung in der Provisorischen Landesversammlung (&#8220;Revolutionslandtag&#8221;) herstellte. Seine sachliche Art brachte ihm die Anerkennung weiter Teile der Bev\u00f6lkerung und auch seiner politischen Gegner ein.<br><br>Ab Herbst 1916 hatte es im Land Salzburg wegen der zunehmend schlechteren Versorgungslage immer wieder kleinere, lokale Streiks und Demonstrationen gegeben. Viele Frauen konnten ihre Familien nicht mehr ern\u00e4hren. Die Unruhen konnten aber durch den raschen Nachschub von Nahrungsmitteln rasch beendet werden. W\u00e4hrend im J\u00e4nner 1918 gro\u00dfe Teile der Monarchie von ausgedehnten Streiks ersch\u00fcttert wurden, konnten diese und die folgenden Streiks in Salzburg auf einem moderaten Niveau gehalten werden. Am 21. Juni kam es dann auch in Salzburg zur ersten gro\u00dfen Hungerdemonstration, bei der die aufgebrachte Menge den Hof der Landesregierung st\u00fcrmte. Am 19. September kam es zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen. Der Landeshauptmann bewahrte Ruhe. Alois Winklers Verdienst war es, keinen Schie\u00dfbefehl f\u00fcr die Garnison Salzburg erteilt zu haben. das Milit\u00e4r hielt sich deshalb z\u00f6gernd zur\u00fcck.<br><br>Der Winter 1918 traf die Salzburger Bev\u00f6lkerung wie ein Fallbeil. Der Krieg &#8220;f\u00fcr Gott, Kaiser und Vaterland&#8221; war verloren, die V\u00e4ter, S\u00f6hne und Br\u00fcder waren tot oder noch nicht heimgekehrt und das kleine ehemalige Kronland nagte am Hungertuch. Dazu gesellten sich die K\u00e4lte und die so genannte Spanische Grippe.<br><br>Der \u00dcbergang von der Monarchie zur Republik konnte dennoch ohne gr\u00f6\u00dfere gewaltt\u00e4tige Unruhen ablaufen. Die L\u00f6sung der Ern\u00e4hrungsfrage war Winklers wichtigstes Anliegen. Die Versorgung der Bev\u00f6lkerung konnte einigerma\u00dfen gesichert werden, sodass weitere Hungerunruhen, wie in anderen St\u00e4dten der sich aufl\u00f6senden Habsburgermonarchie mit blutigen Ausschreitungen und Toten verhindert werden konnten.<br><br>Am 29. November 1918 best\u00e4tigte die provisorische Landesversammlung mit 33 von 34 Stimmen den 80-j\u00e4hrigen Pr\u00e4laten Alois Winkler, den bisherigen Landeshauptmann, in seiner Funktion. Der Gro\u00dfdeutsche Max Ott und der Sozialdemokrat Robert Preu\u00dfler wurden seine Stellvertreter. Damit waren die Grundstrukturen der in Salzburg vorherrschenden Konsensdemokratie gelegt. In der \u201eProvisorischen Landesversammlung\u201c trug Landeshauptmann Winkler von November 1918 bis zu seinem Ausscheiden im April 1919 wesentlich zum geordneten \u00dcbergang von der Monarchie zur Republik bei. Franz Rehrl, der sp\u00e4tere langj\u00e4hrige und legend\u00e4re Landeshauptmann war bei Alois Winkler Sekret\u00e4r und Vorstand der Landesausschuss-Kanzlei.<br><br><strong><em>Sein Lebensende<\/em><\/strong><br><br>Aufgrund seines hohen Alters und nicht zuletzt auch wegen der ge\u00e4nderten politischen Verh\u00e4ltnisse kandidierte Winkler bei der Landtagswahl im April 1919 nicht mehr. Er zog sich aus der aktiven Politik zur\u00fcck und engagierte sich fortan nur mehr in katholischen Vereinen. 1925 starb der ehemalige Landeshauptmann 87-j\u00e4hrig in Salzburg. Nach seinem Tod wurde er in der Domherrengruft am Salzburger Kommunalfriedhof beigesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur (Auswahl):<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><td>Dohle, Oskar: 150 Jahre Salzburger Landeshauptleute (1861\u20132011), Schriftenreihe des Salzburger Landesarchivs Nr. 17, Salzburg (Land Salzburg) 2011.<br><br>Oskar Dohle: Der Erste Weltkrieg \u2013 blutiger Untergang der \u201ealten Ordnung\u201c, 1914 \u2013 1918. In: Oskar Dohle, Alfred H\u00f6ck, Franz Wieser (Hg.): Salzburg nach 1816. Schicksalszeiten auf dem Weg zur Demokratie. Schriftenreihe des Landesmedienzentrums \u201eSonderpublikationen\u201c Nr. 263. Schriftenreihe des Salzburger Landesarchivs Nr. 26. Salzburg 2017.<br><br>Thomas Mitterecker: Pr\u00e4lat Winkler \u2013 ein Landeshauptmann in bewegten Zeiten. In: Oskar Dohle, Thomas Mitterecker (Hg.): Salzburg 1918 \u2013 1919. Vom Kronland zum Bundesland. Schriftenreihe des Forschungsinstituts f\u00fcr politisch-historische Studien der Dr. Wilfried Haslauer Bibliothek. Hg. Von Robert Kriechbaumer, Franz Schausberger, Hubert Weinberger. Band 68. Wien, K\u00f6ln, Weimar 2018.<br><br>Franz Schausberger: Die Christlichsoziale Partei Salzburgs. \u201e\u2026 diesem neuen Staate ebenso treu und uneigenn\u00fctzig zu dienen, wie wir bereits dem alten Kaiserstaat gedient haben.\u201c In: In: Oskar Dohle, Thomas Mitterecker (Hg.): Salzburg 1918 \u2013 1919. Vom Kronland zum Bundesland. Schriftenreihe des Forschungsinstituts f\u00fcr politisch-historische Studien der Dr. Wilfried Haslauer Bibliothek. Hg. Von Robert Kriechbaumer, Franz Schausberger, Hubert Weinberger. Band 68. Wien, K\u00f6ln, Weimar 2018.\u00f6ln, Weimar 2018.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine historische Einordnung von LH a.D. Univ.-Prof. Dr. Franz Schausberger Alois Winkler \u2013 Friedlicher \u00dcbergang von der Monarchie zur Republik.Zum 100. Todestag eines bedeutenden Salzburger Landeshauptmanns. 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