{"id":2398,"date":"2013-06-06T13:01:58","date_gmt":"2013-06-06T11:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=2398"},"modified":"2019-10-02T13:05:15","modified_gmt":"2019-10-02T11:05:15","slug":"zeitzeugengespraech-dipl-ing-dr-h-c-josef-riegler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=2398","title":{"rendered":"Zeitzeugengespr\u00e4ch Dipl.-Ing. Dr. h.c. Josef Riegler"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor \u00fcber hundert interessierten G\u00e4sten\nspannte sich im Zeitzeugengespr\u00e4ch mit Vizekanzler a.D. Dipl.-Ing. Josef\nRiegler ein spannender zeitlicher L\u00e4ngsschnitt, der von den fr\u00fchen 1970er\nJahren bis hinein in die Gegenwart reichte. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Priv.-Doz. Dr.\nHelmut Wohnout konnte neben dem Direktor der Politischen Akademie, Dr. Dietmar\nHalper, auch Vizekanzler a.D. Dr. Alois Mock und dessen Gattin, Frau Dr. Edith\nMock an diesen Abend begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Gespr\u00e4ch setzte mit der pers\u00f6nlichen Sozialisation Rieglers in dessen steirischer Heimat an. Politisch wurde Riegler nachhaltig w\u00e4hrend seiner Studienjahre in Wien auf der Hochschule f\u00fcr Bodenkultur und seinem Engagement in der Katholischen Hochschulgemeinde und der Katholischen Aktion gepr\u00e4gt. Hier kam Josef Riegler unter der umsichtigen Leitung des legend\u00e4ren Hochschulseelsorgers Karl Strobl mit jungen Menschen wie Erhard Busek oder Wolfgang Sch\u00fcssel in Kontakt, deren Wege sich im Rahmen ihrer politischen T\u00e4tigkeiten Jahre sp\u00e4ter wieder kreuzen sollten.<br> <br> Riegler kam 1975 in den Nationalrat und hatte bald Gelegenheit die \u00f6sterreichische Innenpolitik als langj\u00e4hriger Agrarsprecher der Volkspartei aus der Sicht der Opposition mitzutragen. 1983 wechselte Riegler in die Steirische Landesregierung und wurde Agrarlandesrat. Ein Markenzeichen seiner Politik war bereits damals, Umweltschutzma\u00dfnahmen mit Innovationen in der Industrie zu verkn\u00fcpfen. Mehr als das: In seinem Engagement f\u00fcr\u00a0 die \u201eLebenschancen im l\u00e4ndlichen Raum\u201c, sowie Regionalprojekten wie die Sanierung der Mur und der Raab, sieht Riegler nicht nur heute noch sch\u00f6ne Erfolge, sondern auch den Beginn einer Politik, die Jahre sp\u00e4ter als \u201e\u00d6kosoziale Marktwirtschaft\u201c zu einem politischen Postulat wurde.<br> <br> Nach der Nationalratswahl 1986 geh\u00f6rte Riegler zum innersten F\u00fchrungskreis der Volkspartei. Bundesparteiobmann Alois Mock war es, der Riegler in der neugebildeten SP\u00d6-\u00d6VP-Regierung zum Landwirtschaftsminister machte. Einmal mehr betonte Riegler sein politisches Credo: die Sprache des Marktes muss in Richtung des Umweltschutzes angepasst werden, soziales Engagement f\u00fcr die Klein- und Bergbauern, sowie nachhaltige Lebensf\u00fchrung. Mit mehr finanziellen Mittel h\u00e4tte er als Landwirtschaftsminister zur Erreichung dieser Ziele noch mehr beitragen k\u00f6nnen. Mit einem Augenzwinkern bezeichnete Riegler sein Verh\u00e4ltnis zu Finanzminister Ferdinand Lacina \u201eals kompliziert, aber konstruktiv\u201c.<br> <br> Angesprochen auf die Bruchstellen, die die Stationierung von Abfangj\u00e4gern Mitte der 1980er Jahre in der Steiermark zur Konsequenz hatten, zeigte Riegler Verst\u00e4ndnis sowohl f\u00fcr seine steirischen Landsleute um Landeshauptmann Krainer jun., als auch f\u00fcr den damaligen Verteidigungsminister Robert Lichal. Die Konfliktlinie ging quer durch die Volkspartei und belastete damals ohne jeden Zweifel auch ihn als steirischen Bundespolitiker.<br> <br> Ausf\u00fchrlich behandelte das Zeitzeugengespr\u00e4ch den Beginn der Verhandlungen mit der Europ\u00e4ischen Union. Dass Bundeskanzler Franz Vranitzky und andere SP\u00d6-Politiker sich erst nach und nach vom \u00d6VP-Standpunkt \u00fcberzeugen lie\u00dfen, war Mitte der 1980er Jahre von der \u00d6ffentlichkeit zu wenig wahrgenommen worden. Riegler reklamiert er es als seinen pers\u00f6nlichen Erfolg, dass das Modell der \u00d6kosozialen Marktwirtschaft europaweit rezipiert wurde. \u201eDas Konzept hat eingeschlagen, hat eine Welle der Begeisterung ausgel\u00f6st und europ\u00e4isches Aufsehen erregt.\u201c<br> <br> Einen emotionalen H\u00f6hepunkt erreichte das Gespr\u00e4ch mit dem Wechsel des \u00d6VP-Bundesparteiobmanns im Jahre 1989 von Alois Mock hin zu Josef Riegler. Die dramatischen Tage und Stunden im Ringen um die Neuausrichtung an der Spitze der Volkspartei wurden besonders lebendig aufgrund der Tatsache, dass Alois Mock sich an diesen Abend unter den Zuh\u00f6rern befand. \u201eWir alle haben versucht, keine pers\u00f6nliche Verwundung zuzulassen. Wenn ich es mir h\u00e4tte aussuchen k\u00f6nnen, w\u00e4re ich gerne f\u00fcr zehn Jahre Landwirtschaftsminister geblieben. Aber es ist anders gekommen, ganz so wie in einer griechischen Trag\u00f6die.\u201c Rieglers Res\u00fcmee in Richtung Alois Mock: \u201eWas Mock als Au\u00dfenminister machte, verdient heute noch das Pr\u00e4dikat historisch.\u201c<br> <br> Der Fall des Eisernen Vorhangs 1989 fiel in Rieglers Amtszeit als Vizekanzler, ebenso die ersten Schritte beim Aufbau demokratischer Strukturen in Mittel- und Ostmitteleuropa. Die beiden \u201eRunden Tische Europa\u201c am Donauschiff Mozart Anfang der 1990er Jahre gelten bis heute als legend\u00e4r. Seine Besuche in Polen, kurz nach der Wende, mit f\u00fchrenden Vertretern der Solidarnocs, blieben ihm unvergessen. Diese Kontakte best\u00e4rkten seinen Glauben an die \u00dcberlegenheit der demokratischen Gesinnung gegen\u00fcber jeglicher Gewalt und Willk\u00fcr. Ebenso seine \u00dcberzeugung, \u201egro\u00dfe Politik nur in kleinen Schritten\u201c erreichen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"581\" height=\"325\" src=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Riegler1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2400\" srcset=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Riegler1.png 581w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Riegler1-300x168.png 300w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Riegler1-100x55.png 100w\" sizes=\"(max-width: 581px) 100vw, 581px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"581\" height=\"387\" src=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Riegler2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2401\" srcset=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Riegler2.png 581w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Riegler2-300x200.png 300w\" sizes=\"(max-width: 581px) 100vw, 581px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor \u00fcber hundert interessierten G\u00e4sten spannte sich im Zeitzeugengespr\u00e4ch mit Vizekanzler a.D. 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