{"id":2034,"date":"2018-05-06T16:45:52","date_gmt":"2018-05-06T14:45:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=2034"},"modified":"2019-09-12T16:46:30","modified_gmt":"2019-09-12T14:46:30","slug":"kranzniederlegung-am-spiegelgrund-6-mai-2018","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?p=2034","title":{"rendered":"Kranzniederlegung Am Spiegelgrund, 6. Mai 2018"},"content":{"rendered":"\n<p>Anl\u00e4sslich des Gedenkens der Befreiung vom Nationalsozialismus in \u00d6sterreich vor 73 Jahren legte das offizielle \u00d6sterreich am heutigen \u201eOtto Wagner-Spital&#8221;  (Baumgartner H\u00f6he) ein Bekenntnis zur j\u00fcngeren Geschichte ab. Die Gedenkveranstaltung am Sonntag, 6. Mai 2018 sollte an die Ermordung von nahezu 1.000 jungen Menschen und Kindern erinnern, die Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms und der \u201eVernichtung unwerten Lebens&#8221; wurden. Zwei Bundesminister, Mag. Gernot Bl\u00fcmel und Dr. Juliane Bogner-Strau\u00df legten Kr\u00e4nze nieder und verliehen so dem Gedenken an die Opfer der Kindereuthanasie am Spiegelgrund eine besondere Bedeutung seitens der Republik \u00d6sterreich. <\/p>\n\n\n\n<p>  Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Karl von  Vogelsang-Instituts, Priv.-Doz. Dr. Helmut Wohnout hielt eine  historische Einf\u00fchrung, im Zuge derer er sagte \u201e(&#8230;) Von 1940 bis 1945  bestand in einem Teil der Pavillons auf dem Gel\u00e4nde der Baumgartner  H\u00f6he, die von den Nazis euphemistisch sogenannte \u201eJugendf\u00fcrsorgeanstalt&#8221;  Am Spiegelgrund. Entsprechend der menschenverachtenden  rassenhygienischen Ideologie des Nationalsozialismus wurde sie zu einem  Labor des Mordens, in dem junge Menschen einen grausamen Tod sterben  mussten. (&#8230;) Die hier begangenen Verbrechen waren Teil des  nationalsozialistischen Euthanasieprogramms. Es wurde unter dem  Tarnnamen \u201eAktion T4&#8243; gef\u00fchrt und im Oktober 1939 mit folgendem  menschenverachtenden Befehl Adolf Hitlers aufgenommen \u2013 ich zitiere:  \u201eNach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken [soll] bei kritischer  Beurteilung ihres Krankheitszustandes der Gnadentod gew\u00e4hrt werden&#8221;. \u00a0Die  eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes \u201eeuthanas\u00eda&#8221; lautet  \u201eleichter Tod&#8221;. Doch tats\u00e4chlich stand dahinter die Wahnvorstellung, die  vom NS-Regime als \u201eerbkrank&#8221; definierten Menschen zu ermorden,  unterschied doch die nationalsozialistische Rassenlehre zwischen  \u201eh\u00f6herwertigem&#8221; und \u201eminderwertigem&#8221; Leben. W\u00e4hrend \u201eerbgesunder&#8221;  Nachwuchs gef\u00f6rdert wurde, sollte sogenanntes \u201elebensunwertes Leben&#8221;  ausgel\u00f6scht werden. Bis August  1941 kamen auf diese Weise 70.000  Menschen ums Leben. In \u00d6sterreich wurde die T\u00f6tungsanstalt im  ober\u00f6sterreichischen Hartheim zum Synonym f\u00fcr dieses Verbrechen. Die  dabei erstmals zur Anwendung gelangte industrielle T\u00f6tung von Menschen  durch Gas fand ihre schreckliche Fortsetzung in der Shoah. Nach Hartheim  waren auch mehr als 3.000 Patienten der psychiatrischen Heil- und  Pflegeanstalt Am Steinhof deportiert worden, in deren Pavillons 1940 die  Anstalt Am Spiegelgrund eingerichtet wurde. \u00a0Nach  Protesten, unter anderem auch von Kirchenvertretern, wurde im August  1941 die zentral gelenkte Ermordung psychisch Kranker und Behinderter  zur\u00fcckgefahren. Die systematische Ermordung von Kindern zum Zweck  rassenhygienischer Forschungen wurde allerdings weitergef\u00fchrt. Bis 1945  forderte die Kindereuthanasie im gesamten nationalsozialistischen  Herrschaftsbereich etwa 5.000 Opfer. Der Spiegelgrund bildete einen  zentralen Bestandteil dieses Verbrechens der Nationalsozialisten. (&#8230;)  F\u00fcr zumindest 789 \u2013 tats\u00e4chlich wohl mehr \u2013 Kinder und junge  Menschenwurde der  Spiegelgrund zuerst zur H\u00f6lle auf Erden und dann zur  St\u00e4tte ihrer grausamen Ermordung. Das Dokumentationsarchiv des  \u00f6sterreichischen Widerstandes hat im vergangenen Jahr eine couragierte  Predigt des St. P\u00f6ltener Di\u00f6zesanbischofs Michael Memelauer vom  Silvester 1941 entdeckt und publiziert. In einer Zeit, in der das  Koordinatensystem der Mitmenschlichkeit vielfach au\u00dfer Kraft gesetzt zu  sein schien, hat der Bischof f\u00fcr uns heute \u2013 hoffentlich \u2013  Selbstverst\u00e4ndliches auf den Punkt gebracht, indem er sagte: \u201aAuch der  Ungl\u00fcckliche, dessen Sinne verwirrt sind, auch das Kind, das behindert  auf die Welt kommt, auch der Kranke und Sieche und vom Alter Gebrochene  hat ein Recht auf das Leben [&#8230;] und verdient die Umsorge und Liebe der  Umwelt'&#8221;.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-gallery columns-1 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"709\" height=\"463\" src=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung1.jpg\" alt=\"\" data-id=\"2035\" data-link=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?attachment_id=2035\" class=\"wp-image-2035\" srcset=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung1.jpg 709w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung1-300x196.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><figcaption>Am 6. Mai 2018 fand die Kranzniederlegung vor dem Mahnmal am Spiegelgrund statt. Im Bild Helmut Wohnout.<\/figcaption><\/figure><\/li><\/ul>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"709\" height=\"428\" src=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung2-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2037\" srcset=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung2-1.jpg 709w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung2-1-300x181.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><figcaption>Am 6. Mai 2018 fand die Kranzniederlegung vor dem Mahnmal am Spiegelgrund statt. Im Bild Bundesministerin Juliane Bogner-Strau\u00df (l.) mit Bundesminister Gernot Bl\u00fcmel (r.).<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"709\" height=\"386\" src=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2038\" srcset=\"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung3.jpg 709w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung3-300x163.jpg 300w, http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/kranzniederlegung3-100x55.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich des Gedenkens der Befreiung vom Nationalsozialismus in \u00d6sterreich vor 73 Jahren legte das offizielle \u00d6sterreich am heutigen \u201eOtto Wagner-Spital&#8221; (Baumgartner H\u00f6he) ein Bekenntnis zur j\u00fcngeren Geschichte ab. 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