{"id":3912,"date":"2023-06-30T07:01:48","date_gmt":"2023-06-30T05:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3912"},"modified":"2023-06-30T07:02:06","modified_gmt":"2023-06-30T05:02:06","slug":"edda-egger-1910-1993","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3912","title":{"rendered":"Edda Egger (1910-1993)"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:22px\"><strong>Edda Egger (1910-1993)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(Dieser biographische Text ist einer umfangreichen Biographie[1] von Univ.-Prof. Dr. Anita Ziegerhofer, Universit\u00e4t Graz und Vizepr\u00e4sidentin des Vogelsang-Instituts, entnommen.)<\/p>\n\n\n\n<p>Edda Egger wurde am 29. Juni 1910 als zweites von insgesamt vier Kindern in Bruck\/Mur in die \u201eWelt von gestern\u201c hineingeboren \u2013 ihr Vater war Offizier der k.u.k. Kriegsmarine, Friedrich Ritter von Luschin-Ebengreuth, ihre Mutter Edith, geborene Schreiner, entstammte einer alteingesessenen Grazer B\u00fcrgerfamilie. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges lebte das kleine M\u00e4dchen im Kriegshafen der k.u.k. Monarchie, in Pula, dann erfolgte die R\u00fcckkehr nach Graz. Ab nun sollte diese Stadt ihr st\u00e4ndiger Wohnort bleiben. Die junge Frau besuchte hier die H\u00f6here Lehranstalt f\u00fcr wirtschaftliche Frauenberufe und danach erfolgte in Wien die Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin. 1933 erwarb sie die Lehrbef\u00e4higung als Fachlehrerin f\u00fcr Hauswirtschaftsunterricht an H\u00f6heren und Fachschulen. Danach war Edda Egger bis 1945 Lehrerin an der Frauenberufsschule und bildete zus\u00e4tzlich Gewerbelehrerinnen aus. Am 27. Juli 1938 heiratete sie Hans Egger, der an der Technischen Hochschule Graz Maschinenbau studiert hatte. Beide standen dem neuen Machthaber und seiner Ideologie ablehnend gegen\u00fcber \u2013 Hans Egger lehnte die Mitgliedschaft in der NSDAP ab, was sich f\u00fcr seine akademische Karriere als hinderlich herausstellen sollte. Erst 1949 wurde ihm der Titel \u201eau\u00dferordentlicher Professor\u201c verliehen. Edda Egger wurde ohne ihr Wissen von ihrer damaligen Dienstvorgesetzten als Parteimitglied angemeldet. Sie trat ua auch deshalb nicht aus der Partei aus, da sie f\u00fcrchtete, durch einen Austritt die Aufmerksamkeit auf das Ehepaar zu lenken, das sehr zur\u00fcckgezogen lebte, Gleichgesinnten eine offene T\u00fcr anbot und von Freunden, die sich zum Nationalsozialismus bekannten, Abstand nahm. Ihrem Ansuchen um L\u00f6schung aus der NS-Registrierung 1947 legte Edda Egger f\u00fcnf schriftliche Zeugnisse von Pers\u00f6nlichkeiten bei, die auch bereit waren, Edda Eggers antifaschistische Haltung unter Eidesleistung zu bezeugen. In der Nachkriegszeit \u2013 sie d\u00fcrfte mit Berufsverbot bedacht worden sein \u2013, schrieb sie ein Lehrbuch \u00fcber \u201eErn\u00e4hrungslehre und Lebensmittelkunde\u201c, das in Hauswirtschaftsschulen Verwendung fand, hielt Radiovortr\u00e4ge oder Kurse hauswirtschaftlichen Inhalts. In diese Zeit f\u00e4llt auch der Beginn ihres politischen Engagements, dabei galt die steirische Landtagsabgeordnete Frieda Mikola als ihre Mentorin. Bereits 1949 schien Egger als Kandidatin zum Nationalrat auf, 1953 erfolgte ihre Wahl in den Grazer Gemeinderat. Hier war Edda Egger im Ausschuss f\u00fcr F\u00fcrsorge, Kultur und Bauten t\u00e4tig. 1957 zog sie in den Landtag ein. Da F\u00fcrsorge in allen Bereichen ihr Schl\u00fcsselwort war, wurde sie sehr bald als das \u201esoziale Gewissen\u201c bezeichnet. Neben ihrer T\u00e4tigkeit in der Politik kehrte Edda Egger, f\u00fcnf Jahre (1960) nach dem Tod ihres Mannes, wieder in den Schuldienst zur\u00fcck, wurde schlie\u00dflich (1965) Fachinspektorin des hauswirtschaftlichen Unterrichtes an Frauenberufsschulen in Steiermark, Ober\u00f6sterreich und K\u00e4rnten. Am 3. Juni 1970 erfolgte ihre Angelobung als Bundesr\u00e4tin, 1977 schied sie schlie\u00dflich aus der Politik aus. Ihr Bundesratsmandat erhielt Waltraud Klasnic, die sp\u00e4tere erste Frau Landeshauptmann \u00d6sterreichs. Edda Egger engagierte sich seit Beginn ihrer Politkarriere f\u00fcr die \u00d6VP Frauen. So leitete sie von 1964 bis 1975 die \u00d6sterreichische Frauenbewegung (\u00d6FB) Steiermark. W\u00e4hrend dieser Zeit erh\u00f6hte sich die Mitgliederzahl von rund 5.000 auf \u00fcber 14.000. In der Zeit zwischen 1973 und 1974 erfolgte etwa die Gr\u00fcndung von 34 neuen Ortsgruppen und auch die Anzahl der Schulungen f\u00fcr die Frauen nahm zu. Als man schlie\u00dflich auf der Bundesebene eine Pers\u00f6nlichkeit suchte, die die \u201e\u00d6FB wie die eigene Westentasche kennt\u201c nahm es nicht wunder, dass man Edda Egger fragte und sie auch zusagte. Damit trat sie die Nachfolge von Lola Solar an, der nieder\u00f6sterreichischen Grande Dame der \u00d6VP, die f\u00fcr sie vor allem in Wien Mentorin gewesen war. In der Funktion der Bundesleiterin von 1970 bis 1976 war es Egger besonders wichtig, den damaligen Bundesparteiobmann Karl Schleinzer 1971 davon zu \u00fcberzeugen, dass die \u00d6FB eine gleichberechtigte Teilorganisation der \u00d6VP werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gelang Edda Egger das, was ihre Vorg\u00e4ngerin erfolglos versucht hat, umzusetzen \u2013 am Bundesparteitag in Salzburg 1972 kam es zur gew\u00fcnschten Eingliederung.[2] Zwei Jahre sp\u00e4ter hingegen stellte Edda Egger am Bundesparteitag in Linz fest, dass innerhalb der Partei unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenige Kandidatinnen zum Zuge gekommen sind und meinte, dass eine \u201emoderne Partei heute auch Frauen unter den Mandatarinnen, und zwar nicht nur als Alibi f\u00fcr die wachsende Zahl alleinstehender oder berufst\u00e4tiger Frauen\u201c [3] brauche. Egger stellte daher den Antrag, das Bundesparteiorganstatut dahingehend zu \u00e4ndern, dass die volle Gleichberechtigung der Frauenbewegung mit den \u00fcbrigen Teilorganisationen innerhalb der \u00d6VP hergestellt werde und der Anteil weiblicher W\u00e4hler bei den Nominierungen zu gesetzgebenden K\u00f6rperschaften und Gemeindevertretungen Ber\u00fccksichtigung finde. Daher empfahl die Bundesr\u00e4tin, Vertreterinnen der \u00d6FB an w\u00e4hlbarer Stelle zu platzieren. Am 10. Bundestag der \u00d6FB in Salzburg 1974 wurden Statuten ausgearbeitet und es erfolgte hier die Wiederwahl von Egger zur Bundesleiterin. In dieser Funktion blieb sie bis 1976. Auf internationaler Ebene folgte Edda Egger wiederum Lola Solar in der Funktion der Vizepr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Frauen Union (1973-1977). Diese Union wurde von Solar mitgegr\u00fcndet und stellt den Zusammenschluss europ\u00e4ischer Politikerinnen christ-demokratischer und konservativer Parteien dar, die sich damals f\u00fcr ein gemeinsames Europa einsetzten. Egger war seit 1976 Mitglied des Proponentenkomitees der Europ\u00e4ischen Union christlich-demokratischer Frauen und seit der Gr\u00fcndungsversammlung in Stra\u00dfburg 1979 Vizepr\u00e4sidentin. Dar\u00fcber hinaus wirkte sie als Mitglied der Weltunion der Christdemokraten (1977-1980). Neben den bereits dargestellten politischen Funktionen bekleidete Edda Egger eine Vielzahl weiterer Funktionen, weshalb ihr auch viele Ehrungen und Auszeichnungen zuteilwurden. Egger wird als Politikerin mit Charme, Klugheit und Konsequenz bezeichnet, als erfolgreiche Vork\u00e4mpferin f\u00fcr die soziale, bildungsm\u00e4\u00dfige und politische Besserstellung der Frau in unserer Gesellschaft. Sie hat ihre Interessen mit H\u00e4rte und Nachdruck vertreten, so Josef Taus. Alois Mock meinte, dass Edda Egger einfach da war, wenn man sie brauchte.<\/p>\n\n\n\n<p>[1] Dies ist eine Kurzfassung von Anita Ziegerhofer, \u201eWir haben das uns M\u00f6gliche getan\u201c Streifz\u00fcge durch das Leben von Edda Egger (1910-1993), in: Anita Ziegerhofer, Edda Egger (1910-1993). \u201eWir haben das uns M\u00f6gliche getan\u201c, Graz 2015 (Arbeiten zu Recht, Geschichte und Politik in Europa 12), 8-41 mit einem umfangreichen Anmerkungsapparat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edda Egger (1910-1993) (Dieser biographische Text ist einer umfangreichen Biographie[1] von Univ.-Prof. Dr. Anita Ziegerhofer, Universit\u00e4t Graz und Vizepr\u00e4sidentin des Vogelsang-Instituts, entnommen.) Edda Egger wurde am 29. 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