{"id":3694,"date":"2023-01-13T14:11:31","date_gmt":"2023-01-13T13:11:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3694"},"modified":"2023-01-13T14:11:32","modified_gmt":"2023-01-13T13:11:32","slug":"3694-2","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3694","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Dr. Viktor Kienb\u00f6ck<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viktor Kienb\u00f6ck studierte in Wien Rechtswissenschaften und schloss das Studium 1896 mit der Promotion ab; anschlie\u00dfend trat er in die v\u00e4terliche Anwaltskanzlei ein. Seit fr\u00fcher Jugend war er in der christlichen Arbeiterbewegung t\u00e4tig. 1910 ver\u00f6ffentlichte die \u00f6sterreichische Gesellschaft f\u00fcr Arbeiterschutz sein \u201eLohnwucher-Gutachten\u201c, das er als Mitglied des Sozialpolitischen Arbeiterbeirates (1908\u201314) erstellt hatte. Im Dezember 1914 geriet Kienb\u00f6ck als Landwehroffizier in Serbien in Kriegsgefangenschaft, wurde nach der R\u00e4umung Serbiens an Italien ausgeliefert und verbrachte l\u00e4ngere Zeit in Albanien. Im Mai 1917 kehrte er als Austauschgefangener zur\u00fcck und war bis August 1918 im gemeinsamen Ern\u00e4hrungsausschu\u00df in Wien und Budapest t\u00e4tig. Nach Ausrufung der Republik trat Kienb\u00f6ck als Abgeordneter der christlichsozialen Partei in den Wiener Gemeinderat ein, war Stadtrat und wurde 1920 Bundesrat.<\/p>\n\n\n\n<p>Von 1922-24 war Kienb\u00f6ck zum ersten Mal Finanzminister im Kabinett Seipel I und besa\u00df f\u00fchrenden Anteil an der gro\u00dfen W\u00e4hrungssanierung, die er 1922 durch v\u00f6llige \u201eSistierung des weiteren Banknotendruckes\u201c einleitete, wobei er sich auf kein Vorbild in einem anderen Land berufen konnte. Flankierende Reformen erfolgten auf der Einnahmen- wie auf der Ausgabenseite des Budgets, zum Beispiel durch Neuerung der Warenumsatzsteuer, Regelung der allgemeinen Erwerbssteuer sowie Steuererm\u00e4\u00dfigungen. Grundlegend war auch die Neuordnung des Eisenbahnwesens sowie die Verwaltungsreform. In der Budgettechnik f\u00fchrte er eine Trennung von laufender und Investitionsgebarung durch. Bei Gr\u00fcndung der neuen \u00f6sterreichischen Nationalbank im Juli 1922 bestand er auf strikter Unabh\u00e4ngigkeit der Leitung gegen\u00fcber der Regierung. Das Zolltarifgesetz vom Mai 1924 sowie der Abschlu\u00df neuer Handelsvertr\u00e4ge sollten der Ausfuhr zus\u00e4tzliche Impulse schaffen. Trotz seiner Erfolge trat Kienb\u00f6ck 1925 kurzfristig als Finanzminister zur\u00fcck und ver\u00f6ffentlichte eine Rechtfertigungsschrift \u201eDas \u00f6sterreichische Sanierungswerk\u201c (1925), worin er sich gegen den Vorwurf verwahrte, man h\u00e4tte die Wirtschaft vor den Staatsfinanzen sanieren m\u00fcssen. Ins Kabinett Seipel II (1926\u201329) trat er neuerdings als Finanzminister ein. Eine seiner schwierigsten Aufgaben bestand in der Liquidierung des Bankenapparates, der \u2013 nahezu unver\u00e4ndert aus dem gro\u00dfen Staatsgebiet der Donaumonarchie \u00fcbernommen \u2013 in der Zeit der Inflation zus\u00e4tzlich aufgebl\u00e4ht worden war und mit der Stabilisierung ein b\u00f6ses Erwachen erfuhr. Auch erwarb er sich Verdienste um die Reform des Finanzausgleiches zwischen Bund und L\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gefolge der Weltwirtschaftskrise geriet im Mai 1931 die Wiener Creditanstalt in gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeiten, so dass ein Abgang von 140 Millionen Schilling von der Regierung gedeckt werden mu\u00dfte, was der Mithilfe der Nationalbank bedurfte. Im Februar 1932 wurde Kienb\u00f6ck zum Notenbankpr\u00e4sidenten ernannt; dieses Amt bekleidete er bis zum Einmarsch der deutschen Truppen in \u00d6sterreich 1938. Binnen kurzem gelang ihm eine Reorganisation der Creditanstalt bei gleichzeitiger Festsetzung einer neuen Parit\u00e4t des Schillings. Die Lausanner Anleihe vom Juli 1932 kam ihm dabei entscheidend zu Hilfe. Neuerlichen W\u00e4hrungsabwertungen in Europa vermochte die neu festgesetzte Parit\u00e4t des Schillings standzuhalten. 1936 drohte der \u201ePh\u00f6nix-Skandal\u201c das Vertrauen in die gro\u00dfen Versicherungsinstitute zu ersch\u00fcttern, jedoch gelang es Kienb\u00f6ck, durch Schaffung eines \u201eVersicherungsfonds\u201c die Krise zu bereinigen. Die nationalsozialistischen Machthaber pensionierten ihn mit der H\u00e4lfte seiner Bez\u00fcge. Beim Wiedererstehen der Republik stellte der 72j\u00e4hrige sich neuerdings f\u00fcr \u00f6ffentliche Aufgaben zur Verf\u00fcgung. Von 1945 bis 1952 war er Berater der Nationalbank und dann bis zu seinem Tode deren Vizepr\u00e4sident. In diesen Funktionen nahm er bei der Aufteilung der Marshallplanhilfe entscheidenden Einfluss. Zus\u00e4tzlich bet\u00e4tigte er sich in der Verwaltung f\u00fchrender Industrieunternehmen. In zahlreichen Vortr\u00e4gen im In- und Ausland warb er um finanzielle Hilfe f\u00fcr \u00d6sterreichs Wiederaufbau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Viktor Kienb\u00f6ck Viktor Kienb\u00f6ck studierte in Wien Rechtswissenschaften und schloss das Studium 1896 mit der Promotion ab; anschlie\u00dfend trat er in die v\u00e4terliche Anwaltskanzlei ein. 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