{"id":3648,"date":"2022-11-30T14:48:23","date_gmt":"2022-11-30T13:48:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3648"},"modified":"2022-11-30T14:51:59","modified_gmt":"2022-11-30T13:51:59","slug":"kulturpolitik-ist-ein-fundament-unserer-parteipolitik","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3648","title":{"rendered":"\u201eKulturpolitik ist ein Fundament unserer Parteipolitik&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>\u201eKulturpolitik ist ein Fundament unserer Parteipolitik\u201c<\/strong><a href=\"#_ftn1\">  <\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong>Die kulturpolitischen Ambitionen der \u00d6VP 1945 bis 1986<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>von Dr. Heimo Konrad<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00d6VP-Parteiprogramm 1945<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit gro\u00dfen kulturpolitischen Ambitionen startet die \u00d6VP in den politischen Wettbewerb der jungen Zweiten Republik. Ihr im Juni 1945 verabschiedetes neues Parteiprogramm gliedert sich in vier Kapitel. Darunter ein eigenes, das sich mit kulturpolitischen Fragestellungen besch\u00e4ftigt. Es ist umfangreich und umfasst f\u00fcnf der insgesamt 15 Leits\u00e4tze. Im Leitsatz 6 tritt die Partei f\u00fcr die Freiheit des Kunstschaffens<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> ein.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Vor den Wahlen 1945 skizziert Hans Pernter, einer der Parteigr\u00fcnder und von 1946 bis 1951 Hauptreferent f\u00fcr Kultur der \u00d6VP-Bundesparteileitung die \u00d6VP Kulturpolitik: <em>Wenn es heute auch die vordringlichste Aufgabe der Staatspolitik ist, Arbeit und Brot zu schaffen, so wollen wir dar\u00fcber nicht der hohen Bedeutung der Kulturpolitik, vergessen, die neben der Wirtschaftspolitik auch immer ein wichtiger Bestandteil der Staatspolitik sein muss. Dies gilt doppelt f\u00fcr unser \u00d6sterreich mit seiner gro\u00dfen Kulturtradition und der sch\u00f6pferischen Kraft seines Volkes.<\/em><a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl die \u00d6VP das Thema Kulturpolitik in der \u00d6ffentlichkeit, in Verbindung mit dem Narrativ \u201e\u00d6sterreich als Kulturnation\u201c, als bedeutend und staatstragend darstellt, beginnt ab etwa 1947 ein fr\u00fcher innerparteilicher Erosionsprozess, der sp\u00e4ter in einem ersten Bedeutungsverlust dieses Politikfeldes m\u00fcndet.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem internen Bericht kritisiert Pernter, <em>dass in Parteikreisen die Arbeit des Hauptreferates f\u00fcr Kultur nicht immer in dem richtigen Ma\u00dfe gew\u00fcrdigt wird. Zum Teil beruht dies auf Unkenntnis<\/em><a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a><em>, zum Teil herrscht wohl eine \u00dcbersch\u00e4tzung der materiellen Dinge, die nur greifbare und wom\u00f6glich sofort Nutzen bringende Erfolge verlangen.<\/em><a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00d6VP-Parteiprogramm 1952<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1952 passt die \u00d6VP in Reaktion auf die verlorene Bundespr\u00e4sidentenwahl 1951 ihr Parteiprogramm an. Kulturpolitik wird zwar weiterhin in einem eigenen Kapitel behandelt, doch fordert die Partei in Anbetracht der schlechten Finanzlage die <em>m\u00f6glichste Konzentration der vorhandenen Mittel f\u00fcr kulturelle Zwecke auf die F\u00f6rderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der wissenschaftlichen Forschungsarbeit sowie auf den Wiederaufbau und die Besserausstattung der hierf\u00fcr notwendigen Einrichtungen.<\/em><a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Hans Pernter seine Kritik noch in einem innerparteilichen Bericht vortr\u00e4gt, nutzt Hanns Koren als Leiter des kulturpolitischen Ausschusses den 5. \u00d6VP-Bundesparteitag 1954 als B\u00fchne f\u00fcr seine Kritik: <em>Demnach ist dieser Ausschuss nicht in der Lage entsprechend zu arbeiten, da ihm als ad hoc zusammengesetztes Beratungsgremium nur Vorlagen zugewiesen werden, die mehr oder weniger zuf\u00e4lliger Natur sind und er dar\u00fcber hinaus nicht \u00fcber die notwendigen Unterlagen verf\u00fcgt.<\/em> Er fordert die Partei dazu auf, der Kulturpolitik (\u2026) <em>nunmehr nach der erfolgreichen Festigung der wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, die die vordringliche Aufgabe der ersten Nachkriegszeit gewesen ist, wieder mehr der Vorrang einzur\u00e4umen.<\/em> <em>Kulturpolitik darf nicht defensiv sein.<\/em><a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>\u00d6VP Grundsatzprogramm 1958<\/strong>, in dem die programmatischen Ausrichtungen aufgrund des Staatsvertrages und die Unabh\u00e4ngigkeit 1955 angepasst werden, fehlt ein eigenes Kapitel zur Kulturpolitik. Sie wird im Kapitel <em>Der Mensch braucht Freiheit und bleibende Werte <\/em>behandelt und definiert: So ist Kulturpolitik<em> jener Bereich der Politik, der \u00fcber die Besserung \u00e4u\u00dferer Lebensumst\u00e4nde hinaus dem Menschen auch die M\u00f6glichkeit zur inneren Bereicherung und Vervollkommnung geben kann. Die Kulturpolitik hat nicht nur die bleibenden Werte zu pflegen, sondern auch f\u00fcr die volle Entfaltung aller k\u00fcnstlerischen Neigungen und sch\u00f6pferischen Begabungen unseres Volkes zu sorgen. <\/em>Das Programm enth\u00e4lt erneut ein Bekenntnis zum Grundsatz der Freiheit auf allen Gebieten der Kunst und Wissenschaft \u2013 jedoch unter der Einschr\u00e4nkung, dass die Gemeinschaft das Recht beanspruchen darf, <em>offen sittenzerst\u00f6renden Einfl\u00fcssen vor allem, wenn diesen die heranwachsende Jugend ausgesetzt ist, durch gesetzliche Ma\u00dfnahmen entgegenzutreten.<\/em><a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>Klagenfurter Manifest 1965<\/strong> tritt die \u00d6VP im Kapitel <em>Gleiche Bildungsm\u00f6glichkeiten im Kulturstaat \u00d6sterreich<\/em>, f\u00fcr eine aktive Kulturpolitik ein, die sie <em>als eine ihrer vornehmsten Aufgaben <\/em>bezeichnet. <em>Die Sch\u00f6pfung der kulturellen Werte selbst steht f\u00fcr sie unter dem Gesetz der Freiheit. <\/em>Die Geisteskultur soll durch zweckentsprechende Einrichtungen von \u00f6ffentlicher und privater Seite mit ausreichenden Mitteln gef\u00f6rdert werden.<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Nach Jahren eines schleichenden Bedeutungsverlustes erf\u00e4hrt das Thema Kulturpolitik in der Zeit der einzigen \u00d6VP Alleinregierung auf Bundesebene von 1966 bis 1970 wieder eine Aufwertung. Von 1967 bis 1971 wird die Publikation <em>Aktuelle Kulturpolitik<\/em> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1969 erscheint eine Publikation zur Kulturpolitik der \u00d6VP, in der sie darauf hinweist, dass sie schon 1945 die Bedeutung der Kulturpolitik erkannt hat und sie gleich hinter die Staatspolitik reiht. Sie bekennt sich ausdr\u00fccklich zum Begriff <em>Kulturstaat<\/em>, lehnt aber das <em>Prinzip der Staatskultur <\/em>ab. Die staatliche Kulturpolitik hat die Aufgabe, <em>ein geistiges Klima herzustellen und zu bewahren, das der Kulturentfaltung zugutekommt. <\/em>Bei der Kunstf\u00f6rderung tritt sie f\u00fcr ein Kulturf\u00f6rderungsgesetz<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> ein. Aktive Kunstpolitik ist f\u00fcr sie Bestandteil der Kulturpolitik. Sie gibt ein Bekenntnis zur <em>F\u00f6rderung des zeitgen\u00f6ssischen Kunstschaffens<\/em> ab.<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Mit Beginn der \u00c4ra von Bruno Kreisky endet 1970 auf Bundesebene die ein Vierteljahrhundert lang andauernde Zust\u00e4ndigkeit der \u00d6VP f\u00fcr Kunst und Kultur, die nun dem Bundesministerium f\u00fcr Unterricht zugeordnet ist. Dass die \u00d6VP dem Feld der Kulturpolitik in dieser langen Periode nicht durchgehend eine zentrale Rolle zugemessen hat, \u00fcberrascht im R\u00fcckblick.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <strong>Salzburger Programm 1972<\/strong> setzt sich die \u00d6VP in einem eigenen Kapitel, mit der <em>Freiheit der Kunst <\/em>auseinander. Kunst versteht sie als <em>sch\u00f6pferische Interpretation und Gestaltung der Welt und des Weiterlebens.<\/em> Sie definiert den Begriff Kunstpolitik: Diese hat <em>Altes, das als wertvoll anerkannt wird, zu bewahren und f\u00fcr Neues offen zu sein. <\/em>Die Bereitschaft der \u00d6ffentlichkeit, sich mit Kunst und Kunstschaffenden auseinanderzusetzen, ist durch verst\u00e4rkte Information \u00fcber das Bildungssystem und die Massenmedien zu heben. <em>Der K\u00fcnstler wirkt f\u00fcr die Gesellschaft, die Gesellschaft braucht das Wirken des K\u00fcnstlers<\/em>, der f\u00fcr sein Schaffen geistige Freiheit und materielle Sicherheit braucht. <em>K\u00fcnstlerf\u00f6rderung<\/em> muss bestrebt sein, materielle Sicherheit zu bieten, ohne geistige Freiheit einzuschr\u00e4nken. Was die Finanzierung insgesamt betrifft, soll diese nicht nur durch die \u00f6ffentliche Hand erfolgen: <em>Erleichterungen f\u00fcr die private Kunstf\u00f6rderung vermehren die Chancen der K\u00fcnstler.<\/em><a href=\"#_ftn13\">[13]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Auf Basis des Salzburger Programms erstellt die \u00d6VP das <strong>Kulturbild 1978<\/strong>. Als wichtigstes Kriterium einer sinnvollen Kulturpolitik wird darin ein <em>stetiger Kulturzuwachs<\/em> genannt. Ziel der Kulturpolitik ist es,<em> mehr Voraussetzungen f\u00fcr mehr Teilnahme von mehr Menschen am Kulturschaffen und Kulturerlebnis zu erreichen. <\/em>Dabei kommt der Kulturf\u00f6rderung durch die <em>\u00d6ffentliche Hand<\/em> besondere Bedeutung zu. Bei \u00f6ffentlichen Mitteln sind die Vergabekriterien st\u00e4ndig zu \u00fcberpr\u00fcfen. Unumg\u00e4nglich ist dabei eine Priorit\u00e4tenliste, die mehr Transparenz schaffen soll.<a href=\"#_ftn14\">[14]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Der \u00d6VP Bundesparteitag 1980 steht im Zeichen der Erneuerungsdiskussion. Als Themen f\u00fcr eine breite Diskussion erachtet Parteiobmann Alois Mock die Familie in der Gesellschaft und wie man aus einer guten \u00f6sterreichischen Schule eine bessere Schule macht. Die \u00d6VP sieht er als Bildungs-, Familien-, Partnerschafts-, Demokratie- und Eigentumspartei und als Partei des Lebens. Der Bereich Kulturpolitik z\u00e4hlt nicht zu den genannten Zukunftsthemen.<a href=\"#_ftn15\">[15]<\/a> Das ist insofern von Interesse, da Mock von 1969 bis 1970 Unterrichtsminister war und dadurch auch die Bereiche Kunst und Kultur verantwortete.<a href=\"#_ftn16\">[16]<\/a>&nbsp; Schlie\u00dflich erh\u00e4lt im Jahre 1985 das 1972 beschlossene Salzburger Programm eine Erg\u00e4nzung durch das <strong>Zukunftsmanifest<\/strong>, das auch kunst- und kulturpolitische Themensetzungen enth\u00e4lt. Mit ihrem Zukunftsmanifest will die \u00d6VP dem <em>Pessimismus<\/em> der \u00c4ra Kreisky, die <em>das Erreichte irgendwie erhalten <\/em>will, den <em>Optimismus<\/em> einer <em>neuen Freiheit und Selbst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcberstellen<\/em>.<a href=\"#_ftn17\">[17]<\/a> F\u00fcr die \u00d6VP ist <em>Kunst im engeren Sinn <\/em>kein Luxus, <em>sondern Lebensnotwendigkeit. <\/em>Die Politik muss Kultur, Kunst, Literatur, aber auch Sport, Spiel und Festlichkeit aller Art f\u00f6rdern <em>\u2013 behutsam, unaufdringlich, mit Respekt vor deren Freiheit und Eigenst\u00e4ndigkeit.<\/em><a href=\"#_ftn18\">[18]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1986 erscheint das <strong>Aktionsprogramm Kultur<\/strong>. Die Kulturpolitik soll k\u00fcnftig auf drei Besonderheiten der \u00d6sterreichischen Kultur aufbauen: <em>auf<\/em> <em>der<\/em> <em>regionalen Vielfalt<\/em>, <em>der<\/em> <em>reichen Geschichte dieses Landes<\/em> und <em>den Begabungen seiner Bewohner<\/em>. Zielsetzung der \u00d6VP-Politik ist <em>die Durchflutung aller Lebensbereiche mit Kultur.<\/em> Dabei wird ein weiter Kulturbegriff herangezogen, der <em>alles einbezieht, was den Menschen zu seiner Umwelt in Beziehung setzt.<\/em> Was die Kunstf\u00f6rderung betrifft, stellt die \u00d6VP fest: <em>Die Kunstf\u00f6rderungspolitik auf Bundesebene f\u00fchrt immer mehr zu einer Benachteiligung der L\u00e4nder und die Leistungen der L\u00e4nder auf dem Gebiet der Kulturpolitik werden im Gesamtvergleich immer h\u00f6her. <\/em>Sie fordert dazu auf, neue Wege zu beschreiten. Dringlicher denn je sind ihr neue Impulse und Anreize f\u00fcr die Kunstf\u00f6rderung zu setzen, auch von privater Seite.<a href=\"#_ftn19\">[19]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Aus heutiger Sicht wirkt das Aktionsprogramm Kultur ein wenig aus der Zeit gefallen, da seine Ver\u00f6ffentlichung ins Jahr der wohl gr\u00f6\u00dften politischen Umbr\u00fcche seit 1945 f\u00e4llt: J\u00f6rg Haider wird Parteivorsitzender der FP\u00d6, was zum Ende der kleinen Koalition zwischen SP\u00d6 und FP\u00d6 f\u00fchrt. Die Waldheim-Aff\u00e4re erregt internationales Aufsehen. Die Gr\u00fcnen sind erstmals im Nationalrat vertreten. Die Nationalratswahl 1986 ist der Ausgangspunkt der Erosion der bislang bestehenden Machtbl\u00f6cke der Gro\u00dfparteien \u00d6VP und SP\u00d6.<a href=\"#_ftn20\">[20]<\/a> All dies hatte kulturpolitische Auswirkungen, die bis heute nachwirken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Nieder\u00f6sterreich: 1986 \u00dcbernahme der Kulturkompetenz<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls 1986 kommt es in \u00d6sterreichs gr\u00f6\u00dftem Bundesland zu einem kulturpolitischen Umbruch. In Nieder\u00f6sterreich gibt die SP\u00d6 nach mehr als vier Jahrzehnten ihre Ressortverantwortung f\u00fcr den Kulturbereich im Tausch f\u00fcr mehr Gemeindekompetenzen an die \u00d6VP ab. Ex post kritisierte Fred Sinowatz (SP\u00d6) die Entscheidung seiner nieder\u00f6sterreichischen Parteikollegen als politischen Fehler. Viele in der SP\u00d6 Nieder\u00f6sterreich h\u00e4tten damals <em>die Bedeutung einer modernen Kulturpolitik f\u00fcr die Gesamtpolitik nicht richtig eingesch\u00e4tzt. <\/em>Die \u00d6VP sieht er als klare Gewinnerin und im Wechsel den <em>Beginn einer Kulturpolitik, die in erster Linie der Reputation der \u00d6VP in K\u00fcnstlerkreisen diente. <\/em>Dar\u00fcber hinaus vermutete er, <em>dass mit der Aufgabe der kulturellen Kompetenz eine entscheidende landespolitische Schw\u00e4chung Hand in Hand ging.<\/em><a href=\"#_ftn21\">[21]<\/a>Dass die Entscheidung zur Abgabe der Kulturkompetenz der SP\u00d6 zumindest nicht genutzt hat, ist evident. Ausgehend von den Landtagswahlen 1983 bis zu jenen 2013 schmolz der Stimmenanteil der SP\u00d6 von 41,35 Prozent sukzessive bis auf 21,57 Prozent. Sie verlor in diesem Zeitraum fast die H\u00e4lfte ihrer Stimmen. Demgegen\u00fcber nutzte die Nieder\u00f6sterreichische \u00d6VP das Potential ihres neuen Zust\u00e4ndigkeitsbereichs umfangreich und erkannte dessen politisches Gewicht.<a href=\"#_ftn22\">[22]<\/a> Damit beschritt die nieder\u00f6sterreichische \u00d6VP ab 1986 kulturpolitisch einen g\u00e4nzlich anderen Weg als die Bundes-\u00d6VP.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dies w\u00e4re Thema einer weiteren Er\u00f6rterung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Pernter Hans, Arbeitsbericht des Hauptreferates f\u00fcr Kultur, Archiv des KvVI, Bestand Leopold Figl, Korrespondenz 1946-1949, S. 1.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Diese Forderung wird erst 1982 durch Art.&nbsp;17a StGG verfassungsrechtlich verankert. BGBl. Nr. 262\/1982.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Berchtold Klaus (Hg.), \u00d6sterreichische Parteiprogramme 1868-1966, 1967, S. 377.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Neues \u00d6sterreich, 24.5.1945, S. 4.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> \u00c4hnliches bem\u00e4ngelt rund drei Jahrzehnte sp\u00e4ter der politische Mitbewerber, Fred Sinowatz (SP\u00d6), in seiner Funktion als f\u00fcr Kunst und Kultur zust\u00e4ndiger Unterrichtsminister: <em>Liebe Genossinnen und Genossen, ich rede hier sehr gern \u00fcber Kulturpolitik, wie ich ja \u00fcberhaupt gern die Gelegenheit wahrnehme, vor Sozialisten das Thema Kulturpolitik anzuschlagen. Deren Bedeutung wird leider nicht immer in unserer Partei erkannt. So versuche ich es schon seit langem, auf jede m\u00f6gliche Weise ein gewisses Interesse f\u00fcr Kulturpolitik zu schaffen und den Genossen klarzumachen, dass Kulturpolitik sehr wohl zur Politik geh\u00f6rt, ja sogar einen wesentlichen Teil unserer Politik ausmacht \u2013 oder ausmachen sollte. <\/em>Vgl. Dr.-Karl-Renner-Institut (Hg.), Sinowatz Fred, Kulturpolitik f\u00fcr alle, 1976, S. 3. Dieses Beispiel ist besonders bemerkenswert, da sich die SP\u00d6 noch im 21. Jahrhundert mit den kulturpolitischen Leistungen von Bruno Kreisky, Bundeskanzler von 1970 bis 1983, und Fred Sinowatz, Bundeskanzler von 1983 bis 1986, r\u00fchmt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Pernter Hans, Arbeitsbericht des Hauptreferates f\u00fcr Kultur, Archiv des KvVI, Bestand Leopold Figl, Korrespondenz 1946-1949, S. 1.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> Berchtold Klaus (Hg.), \u00d6sterreichische Parteiprogramme 1868-1966, 1967, S. 381f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a> Archiv des KvVI , Sten. Prot. des 5. Bundesparteitages der \u00d6sterreichischen Volkspartei, 16.9.1954, 274f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a> Berchtold Klaus (Hg.), \u00d6sterreichische Parteiprogramme 1868-1966, 1967, S. 386ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Ebenda, S. 401.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Auf Landeseben tritt das erste Kulturf\u00f6rderungsgesetz 1974 in Vorarlberg in Kraft. LGBl Vorarlberg Nr. 4\/1974. Der Bund folgt erst 1988 mit seinem Kunstf\u00f6rderungsgesetz. BGBl. Nr. 146\/1988.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Huber Othmar, Kulturpolitik der \u00d6VP, 1969, S. 2f, 35 und VI.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a> Kriechbaumer Robert, Parteiprogramme im Widerstreit der Interessen, 1990, S. 772f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a> \u00d6VP, Neue Wege f\u00fcr \u00d6sterreich \u2013 Kulturbild \u2013 Kultur und Kulturarbeit aus der Sicht der \u00d6sterreichischen Volkspartei, Bd. 8, 1978, S. 2 u. 19.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a> Archiv des KvVI , Sten. Prot. des 22. Ordentlichen Bundesparteitages der \u00d6sterreichischen Volkspartei, 29.2.1980, S. 32ff.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a> Konrad Heimo, Kulturpolitik. Eine interdisziplin\u00e4re Einf\u00fchrung, 2011, S. 80.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a> Archiv des KvVI , Sten. Prot. des 24. Ordentlichen Bundesparteitages der \u00d6sterreichischen Volkspartei, 13.11.1983, S. 114.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a> Kriechbaumer Robert, Parteiprogramme im Widerstreit der Interessen, 1990, S. 786 u. 805.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a> \u00d6VP, Aktionsprogramm Kultur der \u00d6sterreichischen Volkspartei, 1986, o. S.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a> Konrad Heimo, Kulturpolitik. Eine interdisziplin\u00e4re Einf\u00fchrung, 2011, S. 90.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a> Sinowatz Fred, Franz Slawik \u2013 Ein verhinderter Kulturpolitiker, in: Toth Wilhelm (Hg.), Reformer, Rastlose, Rebellen \u2013 Intellektuelle und die Politik, 2004, S. 169f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a> Ausf\u00fchrlich dazu: Konrad Heimo, Kulturpolitik der Bundesl\u00e4nder seit 1945: Nieder\u00f6sterreich. Dokumentation und Analyse, erscheint 2023.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eKulturpolitik ist ein Fundament unserer Parteipolitik\u201c Die kulturpolitischen Ambitionen der \u00d6VP 1945 bis 1986 von Dr. Heimo Konrad \u00d6VP-Parteiprogramm 1945 Mit gro\u00dfen kulturpolitischen Ambitionen startet die \u00d6VP in den politischen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3648"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3648"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3648\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3651,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3648\/revisions\/3651"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3648"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}