{"id":3156,"date":"2021-10-28T09:40:25","date_gmt":"2021-10-28T07:40:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3156"},"modified":"2022-01-26T10:01:29","modified_gmt":"2022-01-26T09:01:29","slug":"historische-filme-der-oesterreichischen-volkspartei-ab-1949","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=3156","title":{"rendered":"Historische Filme der \u00d6sterreichischen Volkspartei ab 1949."},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Historische Filme der \u00d6sterreichischen Volkspartei ab 1949.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wissenschaftlicher Kommentar von Dr. Hubert Nowak<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Hubert Nowak, Journalist, Autor und Filmgestalter, war 40 Jahre lang Mitarbeiter des ORF in verschiedenen journalistischen und leitenden Funktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Karl von Vogelsang-Instituts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 1:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Analysiert wurden zehn Werbefilme der \u00d6VP vor der Nationalratswahl 1949.*<\/p>\n\n\n\n<p>Politischer Hintergrund:<\/p>\n\n\n\n<p>1949 war die zweite Nationalratswahl nach dem 2. Weltkrieg, die erste (am 25. 11. 1945) war noch ganz im Zeichen des eben erst beendeten Krieges gestanden, Mittel f\u00fcr eine in sp\u00e4teren Jahren teilweise \u00fcberbordenden Wahlwerbung kamen aus \u00f6konomischen und organisatorischen Gr\u00fcnden damals kaum zum Einsatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas besser war das schon bei der nun zur Debatte stehenden Wahl 1949. Nachdem die KP\u00d6 die seit 1945 amtierende Konzentrationsregierung verlassen hatte, amtierte eine Gro\u00dfe Koalition aus \u00d6VP und SP\u00d6. Diese hatte sich 1949 erstmals einer Wahl zu stellen. Parteien und Bev\u00f6lkerung konnten sich also schon l\u00e4ngere Zeit davor auf die Wahl einstellen und vorbereiten. Somit war auch die Produktion von speziellen Werbefilmen f\u00fcr die Wahl m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bundeskanzler war schon vor dieser Wahl Leopold Figl, der dieses Amt auch danach weiter innehatte. In den Werbefilmen wird aber nicht mit der Person Figl geworben, er kommt gar nicht vor. Geworben wird ausschlie\u00dflich f\u00fcr die \u201e\u00d6sterreichische Volkspartei\u201c, und zwar immer im vollen staatstragenden Wortlaut. Das sp\u00e4ter g\u00e4ngige K\u00fcrzel \u00d6VP wird nie verwendet, es ist zu dieser Zeit offenbar nicht gebr\u00e4uchlich oder \u00fcberhaupt noch nicht eingef\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Filme:<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Filme aus dieser Zeit wurden in schwarz-wei\u00df produziert. Es gab zwar schon l\u00e4ngst Farbfilme (diese wurden z.T. bereits w\u00e4hrend des Krieges verwendet, \u00fcberwiegend von den Amerikanern, aber auch vom NS-Regime), waren aber in der Nachkriegszeit noch sehr teuer und aufw\u00e4ndig in der Filmentwicklung. Generelles Thema der Werbefilme ist die Angst &#8211; einerseits die vor der Not und dem Schrecken des erst vier Jahre zur\u00fcckliegenden Krieges, andererseits die vor dem Kommunismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder wird mit dieser Angst auch ganz bewusst gespielt, um dann die \u00d6VP als Mittel dagegen zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Film \u201e<strong>H\u00f6rt auf uns<\/strong>\u201c zeigt Bilder vom Krieg, Gefangene, heimkehrende Soldaten. Die Angst vor Unfreiheit und Stacheldraht wird bewusst gesch\u00fcrt. <em>\u201eWir haben Jahre des Leidens und des Elends hinter uns, wir wissen, was der Stacheldraht bedeutet &#8211; h<\/em><em>\u00f6<\/em><em>rt auf uns &#8211; sonst kommt ihr alle dorthin, von wo wir hergekommen sind,\u201c<\/em> hei\u00dft es darin, und der Film m\u00fcndet in einem emotional inszenierten Appell: Ein Soldat tritt aus einer Gruppe und sagt mehrfach eindringlich nur die Worte <em>\u201eH\u00f6rt auf uns\u201c, <\/em>gefolgt von einem plakat\u00e4hnlichen Schriftinsert \u201eW\u00e4hlt \u00f6sterreichische Volkspartei\u201c. Der Film ist auch deshalb auff\u00e4llig und einzigartig, weil er keine sonstige Botschaft enth\u00e4lt, keine Abgrenzung von einer anderen Partei, keine Versprechen oder sonstiges, nur diesen emotionalen Appell, die Freiheit nicht aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlich ist der vergleichsweise lange (fast vier Minuten dauernde) Film \u201e<strong>Frauen! M<\/strong><strong>\u00fctter<\/strong>\u201c. Eine perfekt gemachte Montage erinnert gezielt an die Zeit vor und w\u00e4hrend des Krieges: Eine junge Mutter mit ihrem Baby im Spital, der Bub w\u00e4chst heran, die Mutter hat Angst vor marschierenden Menschenmassen, man sieht den Aufmarsch von Kommunisten, den Brand des Justizpalastes, dann eine Abschiedsszene, der junge Vater zieht in den Krieg, man sieht Kanonen, Luftschutzkeller, Angst, Bomben, einen Friedhof. Daraus erscheint eine Frau und sagt \u201e<em>Nach den Katastrophen zweier Kriege wollen wir endlich zu Ruhe, Ordnung und zum Frieden gelangen. Frauen und M\u00fctter, k\u00e4mpft f\u00fcr diese heiligen Ziele.\u201c <\/em>Dann folgt das Insert \u201eW\u00e4hlt \u00d6sterreichische Volkspartei\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder es geht um die Angst um das Eigentum. Im Film \u201e<strong>Bauer, wehr dich!<\/strong>\u201c sieht man idyllische Szenen b\u00e4uerlichen Lebens, ein Vater zeigt seinem Kind: \u201eDas soll einmal dir geh\u00f6ren\u201c. Dann schnitt auf Bilder von Vertriebenen, Hammer und Sichel, dazu der Text \u201eSo kann es auch deiner Familie geschehen\u201c. Das Ende ist ein plakat\u00e4hnliche Grafik: Sch\u00fctzt die Heimat! W\u00e4hlt \u00d6sterreichische Volkspartei.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Symbol Hammer und Sichel wird in den Filmen von 1949 teils als Zeichen f\u00fcr den Kommunismus eingesetzt, teils aber auch als allgemeines Symbol f\u00fcr Unfreiheit und Unterdr\u00fcckung. In keiner Weise kommen dagegen irgendwelche Ankl\u00e4nge an den Nationalsozialismus durch. Es wird zwar oft an den Krieg erinnert, aber nie an die Nazis, nie an die Ideologie, die zu diesem Krieg gef\u00fchrt hat. Dementsprechend enth\u00e4lt kein einziger der untersuchten Filme auch nur irgendeine Form von Distanzierung von der NS-Zeit. Nur ein einziges Mal kommt in dem Film \u201e<strong>Frauen! M<\/strong><strong>\u00fctter<\/strong>\u201c f\u00fcr gerade einmal eine Sekunde (!) eine Hakenkreuzfahne ins Bild. Man hat Angst vor Not, vor einem R\u00fcckfall in die Kriegszeit, aber den Nationalsozialismus scheint es als Ursache daf\u00fcr nie gegeben zu haben. Also muss man sich auch nicht distanzieren. Vielmehr wird die latente Angst auf den Kommunismus gelenkt. Die SP\u00d6 oder der Sozialismus, wie er in sp\u00e4teren Jahren von der \u00d6VP in Verbindung mit dem Kommunismus als Linksblock angeprangert wurde, kommt in den Filmen von 1949 allerdings auch \u00fcberhaupt nicht zur Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p>Bildsprache:<\/p>\n\n\n\n<p>Diese entspricht durchaus den Anspr\u00fcchen des damaligen Kinos, ist in vielen F\u00e4llen auch absolut auf der H\u00f6he der cineastischen Stilmittel, wie man sie aus den Spielfilmen dieser Zeit kannte. Teilweise sieht man aber auch noch starke Ankl\u00e4nge an die NS-Propagandafilme, deren filmische Gestaltung und deren Sprache. Die Sprechertexte verfallen gelegentlich in die Sprachmelodie \u00e4lterer Wochenschauberichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten der Filme sind durchaus schon cineastisch gestaltet, enthalten psychologisch geschickt gemachte Montagen mit einpr\u00e4gsamen Bildern und \u00dcberblendungen. Immer wieder wird die Kriegsvergangenheit der nun friedlichen Gegenwart gegen\u00fcbergestellt, verbunden mit der teils direkt ausgesprochenen, teil auch in der Bildsprache implizierten Botschaft, dass (nur) die \u00d6VP diesen Frieden garantieren k\u00f6nne. Andere Parteien werden nicht erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auffallend ist ein Film, der nicht mit klassischen realen Szenen gestaltet ist, sondern mit Symbolen. Der Film \u201e<strong>Das Spiel der Entscheidung<\/strong>\u201c zeigt ein Kegelspiel, die Kugel wirft alle Kegel um, nur die in der Mitte bleibt stehen, bekommt eine rot-wei\u00df-rote Binde. Die gefallenen Kegel sind Rum\u00e4nien, Ungarn, Jugoslawien, Polen und die CSR. Im Text hei\u00dft es dann: \u201e<em>Die <\/em><em>\u00d6<\/em><em>VP ist der Garant, dass <\/em><em>\u00d6st<\/em><em>erreich nicht umf<\/em><em>\u00e4<\/em><em>llt. Darum w<\/em><em>\u00e4<\/em><em>hlet die \u00f6sterreichische Volkspartei<\/em>.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Keiner der Filme hat am Ende eine Art Abspann oder Credits, wie wir das heute kennen. Die \u00d6VP wird als Absender im Text ausgewiesen, manchmal, aber nicht immer, auch mit einer Art Schriftgrafik als Wahlaufforderung am Ende. Nur bei zwei der untersuchten Filme wird gleich am Anfang mit der Schrift \u201eEin Film der \u00d6sterreichischen Volkspartei\u201c der Urheber ausgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Generell kann man als Gestaltungsmittel auch ein hohes Ma\u00df an Pathos ausmachen. Heimat, Familie, Kirche, sch\u00f6ne Landschaft und adrette Kinder, dazu S\u00e4tze wie \u201eK\u00e4mpft f\u00fcr diese heiligen Ziele\u201c, gesprochen von getragener M\u00e4nnerstimme (Frauenstimmen kommen nicht vor) und als Musik wird sehr h\u00e4ufig \u201eOh, du mein \u00d6sterreich\u201c eingesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zielgruppenansprache:<\/p>\n\n\n\n<p>Die Filme sind diesbez\u00fcglich noch sehr heterogen. Einige sind v\u00f6llig diffus, wie etwa wenn ausschlie\u00dflich ein Politiker mit einer Art Rede in die Kamera spricht. Z.B. \u201e<strong>Wahlen 1949 \/ Es spricht: Minister Dr. Felix Hurdes\u201c <\/strong>oder \u201e<strong>Wahlen 1949 \/ Es spricht: Minister Dr. Karl Gruber\u201c.<\/strong> Diese beiden Filme sind ausgesprochen uncineastisch, bestehen ausschlie\u00dflich aus einer in die Kamera gesprochenen Rede. Hurdes pl\u00e4diert darin f\u00fcr Zusammenarbeit und R\u00fccksichtnahme, Gruber wirbt angesichts einer unsicheren Lage in den Nachbarl\u00e4ndern um geschlossenes Auftreten gegen\u00fcber den Besatzungsm\u00e4chten und appelliert, das Schicksal nicht anderen M\u00e4chten anzuvertrauen sondern der \u00d6VP zu vertrauen. Beide Filme haben keinen Abspann, kein Insert und keine Credits.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer Film ist zwar filmisch gestaltet, wendet sich aber schon im Titel ebenfalls nur indifferent \u201e<strong>An Alle<\/strong>\u201c: Darin kommt nach Bildern von Glockenl\u00e4uten, Salzburg, Heiligenblut und der Donau ein Sturm auf. Die Blitze werden dann wieder von Glockenl\u00e4uten abgel\u00f6st und eine pathetische Stimme sagt nur \u201e<em>In allerletzter Stunde mit ehernem Munde &#8211; bleibt unserer Heimat treu, w\u00e4hlt \u00f6sterreichische Volkspartei.<\/em>\u201c Ein plakat\u00e4hnliches Schriftinsert unterstreicht dies ebenso wie die Musik \u201eOh du mein \u00d6sterreich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In zwei Filmen wird zwar ganz gezielt die Jugend angesprochen, Adressat ist aber die Gesamtbev\u00f6lkerung. Die Kinder sind in diesen Filmen nur Transportmittel der Botschaft. Im Film \u201e<strong>Es geht um unsere Zukunft<\/strong>\u201c sieht man Babys, Kinder, unbeschwerte Jugendliche und eine mahnende Stimme sagt: \u201e<em>Lasst keinen Schatten auf unsere Jugend fallen. Es geht um unsere Zukunft, w\u00e4hlt \u00d6sterreichische Volkspartei.<\/em>\u201c Und ein Kind spricht direkt in die Kamera eine Art Gedicht: \u201e<em>Ihr gro\u00dfen Menschen, lasst euch sagen, wir werden euch dereinst fragen, was habt ihr f\u00fcr uns getan?<\/em>\u201c Dazu auch da als Musik: \u201eOh, du mein \u00d6sterreich\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Film \u201e<strong>Unsere Jugend &#8211; der Staat<\/strong>\u201c operiert mit Bildern von Kindern, mit der Botschaft, Jugend kann sorgenlos sein, weil die \u00d6VP Grundpfeiler der Zukunft baut. Offen wird appelliert, die Jugend zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen. Zu Bildern einer kirchlichen Hochzeit kommt als Text \u201e<em>Das Programm f\u00fcr die Zukunft ist das Programm der \u00d6sterreichischen Volkspartei<\/em>\u201c. Der Film hat danach keinen Abspann, kein Insert und keine Credits.<\/p>\n\n\n\n<p>Andere Filme dagegen wenden sich ganz gezielt an konkrete Bev\u00f6lkerungsgruppen. Dazu z\u00e4hlt der schon erw\u00e4hnte Film <strong>Frauen! M<\/strong><strong>\u00fctter!<\/strong> sowie wie Filme an die Bauern oder an die Jugend. Andere Zielgruppen wurden in den untersuchten Filmen nicht gezielt angesprochen. In ihrer Machart unterscheiden sich diese Zielgruppenfilme nicht von Filmen f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Film <strong>Der Bauern eigene Scholle<\/strong> wechselt Musik im Stil der damaligen Heimatfilme mit Marschmusik, nach einer W\u00fcrdigung der Leistung der Landwirtschaft zur Ern\u00e4hrung des Volkes hei\u00dft es nur: <em>\u201eDer Bauer wei\u00df, ihn und sein Eigentum sch\u00fctzt die \u00f6sterreichische Volkspartei\u201c.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Auch der schon erw\u00e4hnte Film<em> \u201e<\/em><strong>Bauer, wehr dich!<\/strong><em>\u201c, <\/em>der mit dem Thema Angst ums Eigentum operiert, wendet sich gezielt an die b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Teil 2:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Abgrenzung zu sp\u00e4teren Wahlwerbefilmen der \u00d6VP:**<\/p>\n\n\n\n<p>Die Filme von 1949 sind noch sehr von der unmittelbaren Nachwirkung des Krieges getragen, von der Angst um die fragile Freiheit, vor andauernder Not und vor dem Kommunismus. Mit diesen \u00c4ngsten wirken sie weitgehend sehr emotional und authentisch.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch bei den sp\u00e4teren Filmen wird immer wieder noch auf Krieg, Kriegssch\u00e4den und die Not dieser Zeit Bezug genommen, aber schon wie bei den Wahlfilmen von 1949 wird keinerlei Konnex zum Nationalsozialismus hergestellt bzw. wird daher auch kein Versuch einer Distanzierung davon sichtbar. Die Filme zu den sp\u00e4teren Wahlg\u00e4ngen sind vielmehr ein synchrones Spiegelbild zur jeweiligen wirtschaftlichen Entwicklung, zum Aufschwung, zum zunehmenden Optimismus, zum Blick nach vorne. Sp\u00e4ter kommt mehr und mehr auch der Stolz auf das inzwischen Erreichte zum Tragen, also der Verweis auf eine politische Erfolgsbilanz, die naturgem\u00e4\u00df 1949 noch nicht gegeben war. Besonders der Staatsvertrag war dann hier das sichtbare und oft hergezeigte Symbol des Erfolges.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die <strong>Wahl am 13. Mai 1956<\/strong> wird &#8211; ganz im Gegensatz zu den Filmen von 1949 &#8211; der Spitzenkandidat in den Vordergrund gestellt. BK Julius Raab wird ganz bewusst als \u201eBaumeister der Republik\u201c inszeniert. Der Film \u201e<strong>Sich selber treu bleiben<\/strong>\u201c (s\/w) erinnert zun\u00e4chst an den Abzug der Alliierten 1955 und zeigt mit einem hohen Ausma\u00df an Pathos, wie jetzt das Bundesheer den Schutz der Republik \u00fcbernimmt: \u201e<em>\u00d6<\/em><em>sterreichs junge S<\/em><em>\u00f6<\/em><em>hne erhalten damit ihre sch<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nste Aufgabe: den Heimatboden zu sch<\/em><em>\u00fc<\/em><em>tzen, dem unsere ganze Liebe geh<\/em><em>\u00f6<\/em><em>rt.<\/em>\u201c Weiters wird mit einer bereits funktionierenden Wirtschaft und \u201egl\u00fccklichen Menschen\u201c das \u201e\u00d6sterreichische Wunder\u201c gelobt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Film \u201e<strong>Von Erfolg zu Erfolg<\/strong>\u201c (s\/w) beginnt mit einem R\u00fcckblick auf die Rolle Raabs f\u00fcr den Staatsvertrag, auf Kriegsheimkehrer und den Abzug der Alliierten. Auch da wieder viel Pathos, wenn Rabb sagt: \u201e<em>Die Freiheit wird untergehen, wenn die <\/em><em>\u00d6<\/em><em>VP nicht Verantwortung tr<\/em><em>\u00e4<\/em><em>gt f<\/em><em>\u00fc<\/em><em>r unser sch<\/em><em>\u00f6<\/em><em>nes Heimatland<\/em>\u201c. Am Ende wird darum geworben, Bundeskanzler Raab und der \u00d6sterreichischen Volkspartei die Stimme zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die <strong>Wahl am 18. November 1962<\/strong> wurden in Kurzfilmen, die mit \u201e<strong>\u00d6VP Bundesparteileitung<\/strong>\u201c (Farbe, tw. s\/w koloriert) titulierte waren, Julius Raab und sein soziales Aufbauwerk gew\u00fcrdigt &#8211; mit R\u00fcckblicken auf Kriegssch\u00e4den und Aufr\u00e4umarbeiten bis zu Bildern von spielenden Kindern, der Industrie und dem Berg Isel. Die zwei vorliegenden Filme sind jeweils klar als Werbefilme deklariert, staatstragend, mit Verwendung des Staatswappens und der Bundeshymne. Keine Rede ist hier davon, dass Raab schon im April 1962 als Bundeskanzler zur\u00fcckgetreten war und sich somit ja bereits sein Nachfolger Alfons Gorbach der Wahl zu stellen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gorbach wird allerdings ausf\u00fchrlich im Film \u201e<strong>Immer wieder kommt ein Tag<\/strong>\u201cgezeigt<strong>. <\/strong>Dieser Film (Farbe) ist mit 22\u201930\u201c au\u00dfergew\u00f6hnlich lang, Gorbach wird als Staatsmann pr\u00e4sentiert, mit anderen internationalen Pers\u00f6nlichkeiten, u.a. mit US-Pr\u00e4sident John F. Kennedy. Auch hier wird wieder auf den Krieg und die Sch\u00e4den zur\u00fcckgeblickt, auf den Staatsvertrag, aber auch auf Bauboom und Wirtschaftsaufschwung verwiesen. Wegen des knappen Mandatsstandes seit 1959 mit 79:78 Mandaten zugunsten der \u00d6VP wird am Ende beschworen: \u201e<em>Ein rotes Mandat mehr, und die sozialistische Herrschaft beginnt. Darum: \u00d6VP, Liste 1<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Generell wird in den Filmen von 1962 bereits sehr stark auf die Abgrenzung zur SP\u00d6 hingearbeitet und die Gefahr eines Machtwechsels betont. Im Film \u201e<strong>Der Schilling muss seinen Wert behalten<\/strong>\u201c (Farbe) hei\u00dft es, unter den Sozialisten best\u00fcnde die Gefahr der Instabilit\u00e4t der W\u00e4hrung. Im Film \u201e<strong>H<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>r zu<\/strong>\u201c werden Arbeiter, Bauern und die Jugend direkt angesprochen, nach einem R\u00fcckblick auf die Kriegssch\u00e4den gelte es jetzt, mit Hilfe der \u00d6VP, mit dem Aufschwung Tr\u00e4ume zu verwirklichen. Im Film \u201e<strong>Mensch und nicht Nummer sein<\/strong>\u201c (Farbe) tr\u00e4umt ein junger Mann in Spielfilmszenen vom Wohlstand, der mit einer SP\u00d6-Mehrheit in Gefahr sei. Auch hier der Satz: \u201e<em>Es steht 79:78 Ein rotes Mandat mehr, und die sozialistische Herrschaft beginnt. Darum: <\/em><em>\u00d6<\/em><em>VP, Liste 1<\/em>\u201c. Ein anderer Film hat sogar diesen Titel \u201e<strong>Es steht 79:78\u201c <\/strong>(Farbe) und beginnt schon mit diesem Satz. Mit einem Sozialisten als Bundeskanzler w\u00fcrde es weitere Verstaatlichung, Steuererh\u00f6hungen, Preissteigerungen und eine unsichere Au\u00dfenpolitik geben, so der Inhalt.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Wahl am <strong>6. M\u00e4rz 1966<\/strong> wird immer wieder eindringlich vor einer Roten Volksfront gewarnt, also einem Zusammenschluss der Sozialisten mit den Kommunisten. Der Film \u201e<strong>Worum geht es am sechsten M<\/strong><strong>\u00e4rz<\/strong><strong>\u201c<\/strong> (s\/w) zeigt eine angebliche Pressekonferenz mit \u00d6VP-Generalsekret\u00e4r Hermann Withalm. Dabei sind die Journalistenfragen erkennbar gestellt und vorbereitet, keinesfalls also spontan. Die Antworten von Withalm sind auch keine Antworten im Sinne eines Dialoges, sondern jeweils kleine Wahlreden, tw. sogar mit direktem Blick in die Kamera. In seiner Bildsprache ist dieser Film also wesentlich steifer und unglaubw\u00fcrdiger, als wesentlich \u00e4ltere, mit cineastischen Mitteln gestaltete und mit emotionalen Bildern aufgeladene Werbefilme zu fr\u00fcheren Wahlg\u00e4ngen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer, mit fast 26 Minuten ungew\u00f6hnlich langer Film, beleuchtet in vielen Stationen die Stra\u00dfenbaut\u00e4tigkeit in \u00d6sterreich. Titel: \u201e<strong>Auf guten Stra\u00dfen in eine sch<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>ne Zukunft \/ Ein Dokumentarfilm <\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ber den Ausbau der <\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>sterreichischen Stra\u00dfen und Autobahnen \/ Hergestellt im Auftrag von Staatssekret<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>r Dr. Vinzenz Kotzina<\/strong>\u201c (Farbe). Damit sind Inhalt und Absender von Anfang an deklariert, der Text ist freilich sehr belehrend, der Film ist kein Dokumentarfilm im heutigen Sinne, er wirkt vielmehr wie ein Schulfernsehfilm. Penibel werden darin aus allen Bundesl\u00e4ndern die aktuellen Autobahn- und Stra\u00dfenprojekte gezeigt und angesprochen. Immer wieder sieht man Bauarbeiten, lachende Kinder und von Marschmusik untermalte Politiker bei Spatenstichen. Manche Stellen haben noch die Anmutung von Propagandafilmen aus der NS-Zeit. Am Schluss wird nur auf \u201e<em>Unsere Arbeit f\u00fcr \u00d6sterreich &#8211; In der Gegenwart Stra\u00dfen der Zukunft bauen<\/em>\u201c verwiesen. Abspann, Impressum oder Credits hat dieser Film trotz seiner L\u00e4nge und seines Anspruchs als \u201eDokumentarfilm\u201c keine.<\/p>\n\n\n\n<p>Generell l\u00e4sst sich sagen, dass die Wahlwerbefilme nach denen von 1949 zwar ab 1962 \u00fcberwiegend schon in Farbe produziert wurden, in ihrem Aufbau und ihrer Bildsprache aber vergleichsweise plump und sehr direkt wirken, oft steifer als die von 1949 und mit keineswegs subtileren Mitteln als unmittelbar nach dem Krieg. Dies ist angesichts der damaligen rasanten Entwicklung im Bereich Spielfilm und dem auch bereits aufkommenden Fernsehen erstaunlich. Man hat das Medium Film zwar mit zunehmend gr\u00f6\u00dferer Selbstverst\u00e4ndlichkeit genutzt, im Einsatz subtiler gestalterischer Mittel hat man sich aber nicht so schnell weiterentwickelt wie in den technischen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Historische Filme\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/awbAChFBSzU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Historische Filme\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/8qZe4063dR4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; 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autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"VTS 03 1\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ZQf9S9LZBSE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><em>* Anm.:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Zu den NR-Wahlen von 1953, 1959 sowie 1970ff lagen f\u00fcr diese vergleichende Analyse keine Filmbeispiele vor.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>** Liste der Filme aus 1949:<\/p>\n\n\n\n<p>Wahlen 1949 \/ Es spricht: Minister Dr. Felix Hurdes (1\u201921)<\/p>\n\n\n\n<p>Es geht um unsere Zukunft (2\u201911)<\/p>\n\n\n\n<p>Der Bauern eigene Scholle \/ Ein Film der \u00d6sterreichischen Volkspartei (4\u201953)<\/p>\n\n\n\n<p>Bauer, wehr dich! (2\u201917)<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6rt auf uns (1\u201938)<\/p>\n\n\n\n<p>Frauen! M\u00fctter! (3\u201947)<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spiel der Entscheidung (1\u201910)<\/p>\n\n\n\n<p>Wahlen 1949 \/ Es spricht: Minister Dr. Karl Gruber (2\u201905)<\/p>\n\n\n\n<p>An Alle! (1\u201936)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historische Filme der \u00d6sterreichischen Volkspartei ab 1949. Wissenschaftlicher Kommentar von Dr. Hubert Nowak Dr. Hubert Nowak, Journalist, Autor und Filmgestalter, war 40 Jahre lang Mitarbeiter des ORF in verschiedenen journalistischen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3156"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3156"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3156\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3228,"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/3156\/revisions\/3228"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}