{"id":1764,"date":"2019-05-02T14:33:37","date_gmt":"2019-05-02T12:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=1764"},"modified":"2019-05-23T21:26:24","modified_gmt":"2019-05-23T19:26:24","slug":"ignaz-seipel","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.vogelsanginstitut.at\/at\/?page_id=1764","title":{"rendered":"Ignaz Seipel"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Ignaz Seipel<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ignaz Seipel kam\n1876 als Sohn eines Fiakers in Wien auf die Welt. Hier trat er nach der Matura\nin das Priesterseminar ein und studierte Theologie. 1899 wurde er zum Priester\ngeweiht. Er war einige Jahre als Kaplan t\u00e4tig, ehe er sich der Wissenschaft zuwandte\nund sich 1908 f\u00fcr das Fach Moraltheologie habilitierte. Nur ein Jahr sp\u00e4ter\nwurde er als Ordinarius an die Universit\u00e4t Salzburg berufen. W\u00e4hrend des Ersten\nWeltkriegs erschien 1916 seine Studie \u201eNation und Staat\u201c. Mit den darin\nformulierten L\u00f6sungsvorschl\u00e4gen zum Nationalit\u00e4tenproblem der\nHabsburgermonarchie zog Seipel erstmals die Aufmerksamkeit breiterer\npolitischer Kreise auf sich. 1917 \u00fcbernahm er in der Nachfolge Franz Martin\nSchindlers, des Verfassers des ersten christlichsozialen Parteiprogrammes 1891,\ndessen Lehrstuhl an der Universit\u00e4t Wien und wurde rasch zu einem\nHoffnungstr\u00e4ger innerhalb der Christlichsozialen Partei. <\/p>\n\n\n\n<p>Als Heinrich\nLammasch am 22. Oktober 1918 zum letzten k.k. Ministerpr\u00e4sidenten ernannt\nwurde, trat Seipel als Sozialminister in die Regierung ein. Er war ma\u00dfgeblich\nan der Formulierung der schlie\u00dflich von Kaiser Karl akzeptierten\nVerzichtserkl\u00e4rung beteiligt und trug wesentlichen Anteil daran, dass weite\nTeile der christlichsozialen Gefolgschaft den \u00dcbergang zur Republik akzeptierten.\nMit seiner Wahl in die Konstituierende Nationalversammlung begann 1919 seine\nT\u00e4tigkeit als Parlamentarier, die er bis zu seinem fr\u00fchen Tod 1932 aus\u00fcben\nsollte. 1920 war er als christlichsozialer Hauptverhandler federf\u00fchrend an der\nErarbeitung der Bundes-Verfassung beteiligt. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahr 1921\n\u00fcbernahm er den Parteivorsitz innerhalb der Christlichsozialen und trat 1922 an\ndie Spitze der Regierungskoalition mit den Gro\u00dfdeutschen. Noch im selben Jahr\nerreichte Seipel beim V\u00f6lkerbund eine Anleihe in der H\u00f6he von 650 Millionen\nGoldkronen, mit der der drohende wirtschaftliche Zusammenbruch \u00d6sterreichs\nabgewendet werden konnte. In weiterer Folge gelang es Seipel, die\nHyperinflation zu stoppen, den Staatshaushalt zu stabilisieren und die\nEinf\u00fchrung einer neuen W\u00e4hrung, des Schillings, vorzubereiten. Seine teils\nharten Sanierungsschritte machten Seipel zum Feindbild nicht nur der\nOpposition, sondern auch derjenigen Bev\u00f6lkerungsschichten, die an den\nAuswirkungen der Ma\u00dfnahmen am schwersten zu tragen hatten. Im Juni 1924 wurde\nauf ihn ein Revolverattentat ver\u00fcbt, bei dem Seipel schwer verletzt \u00fcberlebte.\nEr trat im November 1924 als Bundeskanzler zur\u00fcck. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 1926\n\u00fcbernahm er nach dem Scheitern der Regierung Ramek neuerlich die Kanzlerschaft.\nSeine zweite Regierungsperiode war gepr\u00e4gt von den immer h\u00e4rter werdenden\nAuseinandersetzungen zu Fragen des Verh\u00e4ltnisses von Staat und Kirche.\nInsbesondere auf Grund seines Verhaltens nach dem Brand des Justizpalastes vom\n15. Juli 1927, bei dem f\u00fcr ihn allein die Staatsr\u00e4son ma\u00dfgeblich war, verbanden\ndie Sozialdemokraten ihre kirchenfeindliche Agitation unmittelbar mit seiner\nPerson. Dies f\u00fchrte bei Seipel zu einem zunehmenden Lieb\u00e4ugeln mit autorit\u00e4ren\nRegierungsmodellen und der Heimwehr. 1929 trat er \u00fcberraschend zum zweiten Mal\nals Bundeskanzler zur\u00fcck. F\u00fcr kurze Zeit geh\u00f6rte er 1930 der\nMinderheitsregierung Vaugoin als Au\u00dfenminister an. Im Jahr 1931 wurde er\nnochmals mit der Regierungsbildung beauftragt. Sein Versuch, eine\nKonzentrationsregierung zu bilden, scheiterte an der Sozialdemokratie. Deren\nMisstrauen Seipel gegen\u00fcber war zu gro\u00df, um unter ihm in ein Kabinett\neinzutreten. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu Beginn der\n1930er Jahre begann sich der Gesundheitszustand Seipels rasch zu\nverschlechtern. Er war zuckerkrank, eine Kugel des Attentats war in seinem\nLungenfl\u00fcgel verblieben, eine Tuberkuloseerkrankung kam dazu. Er verschied,\nerst im 57. Lebensjahr stehend, Anfang August 1932. Mit ihm starb der\nbedeutendste, wenngleich auch umstrittenste Priester-Politiker der Ersten\nRepublik. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ignaz Seipel Ignaz Seipel kam 1876 als Sohn eines Fiakers in Wien auf die Welt. 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